
Das Kernproblem ist nicht eine schlechte Strategie, sondern ein fehlendes System, das sie mit dem Alltag verbindet.
- Die meisten Strategien scheitern, weil sie statische Dokumente bleiben, anstatt zu einem lebendigen, agilen Prozess im Unternehmen zu werden.
- Methoden wie Objectives and Key Results (OKR) übersetzen abstrakte Ziele in konkrete, messbare Ergebnisse für jedes Team und schaffen so Klarheit und Verbindlichkeit.
Empfehlung: Betrachten Sie Ihre Strategie nicht als Plan, der einmalig ausgerollt wird, sondern als ein „Betriebssystem“, das durch regelmäßige Routinen und klare Kennzahlen im gesamten Unternehmen installiert werden muss.
Jeder Geschäftsführer kennt das Bild: Das aufwendig erstellte Strategiepapier, Ergebnis langer Workshops und teurer Beratung, landet nach der Präsentation in der Schublade. Das Tagesgeschäft mit seinen dringenden, operativen Problemen übernimmt schnell wieder das Kommando. Die anfängliche Euphorie weicht der Frustration, dass die großen Ziele im Alltagschaos untergehen. Die Lücke zwischen dem, was man strategisch will, und dem, was man operativ tut, wird zur stillen Bedrohung für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Die üblichen Ratschläge – „bessere Kommunikation“, „mehr Leadership-Commitment“ – sind zwar richtig, aber oft zu abstrakt. Sie greifen zu kurz, weil sie das grundlegende Problem ignorieren: Ein Strategiepapier ist von Natur aus statisch, das Geschäft aber dynamisch. Es fehlt eine Brücke, ein Mechanismus, der die langfristige Vision in die wöchentlichen Meetings, die Prioritäten der Mitarbeiter und die täglichen Entscheidungen übersetzt.
Was wäre, wenn der Schlüssel nicht darin liegt, das Strategiepapier noch lauter zu predigen, sondern darin, die Arbeitsweise des Unternehmens fundamental zu ändern? Wenn die Strategie kein Dokument wäre, das man „umsetzt“, sondern ein agiles Betriebssystem, das man im Unternehmen installiert? Dieser Ansatz verlagert den Fokus vom einmaligen „Planen“ hin zum kontinuierlichen „Steuern“. Es geht darum, einen strategischen Rhythmus zu etablieren, der sicherstellt, dass jede Abteilung und jeder Mitarbeiter seinen Beitrag zum großen Ganzen kennt und aktiv leistet.
Dieser Artikel führt Sie durch die notwendigen Schritte, um dieses strategische Betriebssystem in Ihrem Unternehmen zu verankern. Wir beginnen bei der kritischen Analyse der eigenen Ausgangslage, führen ein praxiserprobtes Zielsystem wie OKR ein und etablieren schließlich einen Kontrollmechanismus, der Abweichungen sofort sichtbar macht und Handeln erzwingt.
Um die Brücke von der Theorie zur Praxis zu schlagen, beleuchten die folgenden Abschnitte die entscheidenden Bausteine für eine erfolgreiche Strategieumsetzung. Die Gliederung führt Sie von der fundamentalen Analyse über die Zielsetzung bis hin zur agilen Steuerung im Alltag.
Inhaltsverzeichnis: Vom Strategiepapier zum lebendigen System
- Stärken und Schwächen: Warum die meisten SWOT-Analysen oberflächlich und nutzlos sind
- Objectives and Key Results: Wie Google-Ziele auch im Mittelstand funktionieren
- Plan B entwickeln: Wie Sie sich auf disruptive Marktveränderungen vorbereiten
- Warum Ihre Mitarbeiter die Strategie nicht verstehen (und wie Sie das ändern)
- Warum führt taktisches Handeln ohne Strategie bei 60 % der Firmen zur Insolvenz?
- Wann Sie Ihr Geschäftsmodell radikal ändern müssen: Die 3 Phasen des Niedergangs
- Offsite-Meeting: Wie Sie in 2 Tagen eine Strategie entwickeln, die trägt
- Wie etablieren Sie einen monatlichen Soll-Ist-Vergleich, der Handlungsbedarf sofort aufzeigt?
Stärken und Schwächen: Warum die meisten SWOT-Analysen oberflächlich und nutzlos sind
Der erste Schritt jeder Strategie ist oft eine SWOT-Analyse. Doch in der Praxis verkommt sie häufig zu einer oberflächlichen Übung, bei der Allgemeinplätze gesammelt werden. „Engagierte Mitarbeiter“ als Stärke oder „starker Wettbewerb“ als Gefahr sind wertlos, weil sie nicht spezifisch genug sind. Eine wirksame Analyse geht tiefer und zwingt zur ehrlichen Selbstreflexion. Das eigentliche Ziel ist nicht das Ausfüllen der vier Quadranten, sondern das Ableiten konkreter Handlungsoptionen durch die Kombination der internen Faktoren (Stärken/Schwächen) mit den externen Gegebenheiten (Chancen/Gefahren).
Ein fortschrittlicherer Ansatz ist die sogenannte TOWS-Matrix. Hier wird systematisch gefragt: Wie können wir unsere Stärken nutzen, um von den Chancen zu profitieren (SO-Strategien)? Wie können wir unsere Schwächen überwinden, um uns vor Gefahren zu schützen (WT-Strategien)? Diese strukturierte Verknüpfung wandelt eine passive Analyse in ein aktives Strategiewerkzeug um. Gerade für den deutschen Mittelstand ist dies entscheidend. Eine Studie belegt, dass die Innovationsintensität bei KMU seit Jahren rückläufig ist, was oft auf eine unzureichende Auseinandersetzung mit den eigenen, langfristigen Schwächen im FuE-Bereich hindeutet. Eine ehrliche Analyse ist somit keine Option, sondern eine Überlebensnotwendigkeit.

Die Visualisierung als Matrix hilft dabei, die strategischen Stoßrichtungen klar zu erkennen und Prioritäten zu setzen. Anstatt einer langen Liste von Einzelpunkten entstehen so vier klar definierte strategische Handlungsfelder, die die Basis für das weitere Vorgehen bilden. Dies ist der erste Schritt, um aus einem passiven Dokument ein aktives Steuerungsinstrument zu machen.
Ihr Aktionsplan: Von der SWOT zur umsetzbaren Strategie
- Zweck definieren: Legen Sie genau fest, was analysiert wird (Gesamtunternehmen, Produktlinie, neue Marktchance) und welches Ziel Sie mit der Analyse verfolgen.
- Daten sammeln: Führen Sie eine ehrliche Bestandsaufnahme durch. Befragen Sie verschiedene Abteilungen, um blinde Flecken bei Stärken und Schwächen aufzudecken. Sammeln Sie externe Daten zu Markt- und Technologietrends.
- Kohärenz prüfen: Kombinieren Sie die internen Faktoren mit den externen. Fragen Sie gezielt: Wie nutzen wir Stärke A, um Chance B zu ergreifen? Wie schützt uns Stärke C vor Gefahr D?
- Strategien ableiten: Formulieren Sie aus den Kombinationen 2-3 schlagkräftige, strategische Initiativen. Identifizieren Sie die eine Initiative, die den größten Hebel für Ihr Unternehmen verspricht.
- Maßnahmenplan erstellen: Brechen Sie die Top-Initiative in konkrete, messbare und terminierte Arbeitspakete herunter und weisen Sie klare Verantwortlichkeiten zu.
Objectives and Key Results: Wie Google-Ziele auch im Mittelstand funktionieren
Nach einer soliden Analyse stellt sich die Frage: Wie übersetzen wir die strategischen Initiativen in den Alltag? Hier scheitern die meisten Unternehmen. Die Antwort liegt in einem Zielsystem, das wie ein Betriebssystem für Ihre Strategie funktioniert. Objectives and Key Results (OKR) ist ein solches System, das von Unternehmen wie Google populär gemacht wurde und auch im deutschen Mittelstand enorme Wirkung entfaltet. Es schafft eine Brücke zwischen der Vision des Managements und den täglichen Aufgaben der Mitarbeiter.
Das Prinzip ist einfach: Ein Objective (O) ist ein qualitatives, inspirierendes Ziel, das beschreibt, *was* erreicht werden soll (z. B. „Wir werden zum anerkannten Innovationsführer in unserer Nische“). Die Key Results (KR) sind 2 bis 4 messbare Ergebnisse, die anzeigen, *ob* das Ziel erreicht wurde (z. B. „Steigerung der Cross-Selling-Quote von 15 % auf 25 %“). Wichtig ist, dass OKRs ambitioniert gesetzt werden. Bei ambitionierten OKR-Zielen gilt bereits eine Umsetzung von 60-70 % als Erfolg, da dies Teams dazu anspornt, über das normale Maß hinauszudenken.
Der entscheidende Unterschied zu klassischen Zielvereinbarungen ist die Transparenz und der agile Rhythmus. OKRs werden meist quartalsweise festgelegt und sind für jeden im Unternehmen einsehbar. Das schafft nicht nur Klarheit und Fokus, sondern fördert auch die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit. Statt einer starren Jahresplanung ermöglicht das System eine flexible Anpassung an Marktveränderungen, ohne die langfristige strategische Ausrichtung aus den Augen zu verlieren.
Plan B entwickeln: Wie Sie sich auf disruptive Marktveränderungen vorbereiten
Eine gute Strategie ist robust, aber nicht starr. In einer Welt, die von unvorhersehbaren Krisen und technologischen Umbrüchen geprägt ist, ist das reine Verfolgen eines einzigen Plans fahrlässig. Die Entwicklung eines „Plan B“ – oder besser noch, die Etablierung eines Systems, das kontinuierliche Anpassung ermöglicht – ist überlebenswichtig. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Allein in Deutschland waren im Jahr 2024 rund 320.000 Arbeitsplätze von Unternehmensinsolvenzen betroffen, ein massiver Anstieg, der die Dringlichkeit unterstreicht.
Ein agiles strategisches Betriebssystem wie OKR ist hierfür die ideale Grundlage. Es zwingt Unternehmen, nicht nur in Jahresplänen, sondern in kürzeren Zyklen zu denken. Wenn sich ein externes Umfeld dramatisch ändert (z. B. durch eine neue Technologie, eine Pandemie oder geopolitische Spannungen), kann das Unternehmen seine Key Results für das nächste Quartal anpassen, ohne das übergeordnete, langfristige Objective aufgeben zu müssen. Diese eingebaute Flexibilität ist der beste „Plan B“, den es gibt.
Ein kritisches Beispiel aus Deutschland ist die schleppende Digitalisierung im Mittelstand. Während traditionelle Branchen wie der Maschinenbau oder die Automobilindustrie lange von ihrer Stärke lebten, wird die digitale Transformation oft noch nicht als existenzielle Notwendigkeit in den Chefetagen verstanden. Hier fehlt oft die Fähigkeit, das eigene Geschäftsmodell proaktiv in Frage zu stellen, bevor es der Markt tut. Ein strategischer Prozess muss daher Raum für Szenarioplanung schaffen: Was passiert, wenn unser Kernmarkt um 30 % einbricht? Was tun wir, wenn ein neuer Wettbewerber mit einem radikal anderen Kostenmodell auftritt? Wer diese Fragen nicht stellt, wird von der Realität überrascht.
Warum Ihre Mitarbeiter die Strategie nicht verstehen (und wie Sie das ändern)
Ihre Mitarbeiter verstehen die Strategie nicht, weil sie oft als abstrakte Anweisung von oben kommuniziert wird, die keinen direkten Bezug zu ihrer täglichen Arbeit hat. Sätze wie „Wir müssen kundenorientierter werden“ oder „Wir steigern die Effizienz“ sind für einen Mitarbeiter in der Produktion oder im Service bedeutungslos. Die entscheidende Aufgabe des Managements ist daher eine konstante Übersetzungsarbeit: die übergeordneten Ziele in relevante, verständliche und motivierende Aufgaben für jedes Team zu zerlegen.
Genau hier setzt der strategische Rhythmus des OKR-Frameworks an. Anstatt einer einmaligen Jahrespräsentation der Strategie gibt es eine Reihe von festen Terminen, die die Strategie lebendig halten. Diese sogenannten „Events“ schaffen eine dauerhafte Verbindung zwischen Management und Mitarbeitern. Laut Deloitte Deutschland verzichtet OKR bewusst auf detaillierte Regeln und setzt stattdessen auf eine wertorientierte Führung, die auf Transparenz und Motivation basiert.

Die wichtigsten Rituale sind dabei:
- OKR Planning: Ein gemeinsamer Workshop zu Beginn jedes Quartals, bei dem Teams ihre Objectives und Key Results für die nächsten 90 Tage definieren – abgeleitet von den Unternehmenszielen.
- Weekly OKR: Kurze, wöchentliche Check-ins, bei denen Teams den Fortschritt besprechen, Hindernisse identifizieren und sich gegenseitig auf Kurs halten.
- OKR Review: Eine offene Präsentation am Ende des Quartals, bei der die Ergebnisse (nicht die Anstrengungen) bewertet und Erfolge gefeiert werden.
- OKR Retrospective: Ein ehrlicher Rückblick auf den Prozess selbst: Was hat gut funktioniert in unserer Zusammenarbeit, was müssen wir im nächsten Zyklus verbessern?
Dieser Kreislauf macht die Strategie zu einem ständigen Gesprächsthema und sorgt dafür, dass sie nicht in Vergessenheit gerät. Er verwandelt passive Anweisungsempfänger in aktive Mitgestalter der Unternehmenszukunft.
Warum führt taktisches Handeln ohne Strategie bei 60 % der Firmen zur Insolvenz?
Unternehmen, die rein taktisch agieren, sind wie ein Schiff ohne Ruder und Kompass. Sie reagieren auf die Wellen des Tagesgeschäfts – eine Kundenanfrage hier, ein Wettbewerbsangebot da – aber sie haben keine klare Richtung. Dieses operative „Feuerlöschen“ mag kurzfristig geschäftig wirken, führt aber langfristig zur Erosion der Wettbewerbsfähigkeit. Ohne eine übergeordnete Strategie werden Ressourcen – Zeit, Geld und Personal – ineffizient verteilt, Chancen verpasst und Risiken übersehen. Die Folgen sind fatal: In Deutschland erreichte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2024 mit fast 22.400 Fällen den höchsten Stand seit 2015, ein klares Warnsignal.
Reines Taktieren führt zu mehreren Problemen. Erstens gibt es keine Priorisierungsgrundlage. Jede Aufgabe scheint gleich wichtig, was Mitarbeiter überfordert und die Fokussierung auf wirklich wertschöpfende Aktivitäten verhindert. Zweitens fehlt eine Basis für Innovation. Ohne strategische Leitplanken wird nur das Bestehende optimiert, aber es werden keine neuen Geschäftsfelder oder Märkte erschlossen. Drittens wird das Unternehmen vorhersehbar und anfällig. Wettbewerber können die Muster des Unternehmens leicht erkennen und gezielt angreifen.
Die jüngste Vergangenheit zeigt, dass selbst große, etablierte Unternehmen nicht immun sind. Prominente Insolvenzen wie die von GALERIA Karstadt Kaufhof oder FTI-Touristik belegen, dass eine fehlende Anpassung an veränderte Marktbedingungen und ein Festhalten an veralteten Geschäftsmodellen existenzbedrohend sind. Eine Strategie ist also kein Luxus, sondern der notwendige Rahmen, der sicherstellt, dass alle taktischen Maßnahmen auf ein gemeinsames, zukunftsfähiges Ziel einzahlen.
Wann Sie Ihr Geschäftsmodell radikal ändern müssen: Die 3 Phasen des Niedergangs
Die Notwendigkeit einer radikalen Änderung des Geschäftsmodells wird oft zu spät erkannt. Unternehmen durchlaufen typischerweise drei Phasen des Niedergangs, bevor die Krise offensichtlich wird. Die Kunst besteht darin, die frühen Warnsignale zu deuten und zu handeln, bevor es zu spät ist. Die Insolvenzstatistiken zeigen, dass bestimmte Branchen besonders anfällig sind; so gab es zuletzt einen Anstieg der Insolvenzen im Dienstleistungsgewerbe um 27,1 %.
Die drei Phasen sind:
- Phase der strategischen Erosion: Die ersten Anzeichen sind subtil. Die Wachstumsraten flachen ab, die Gewinnmargen sinken leicht, und die Kundenloyalität nimmt ab. In dieser Phase wird das Problem oft auf externe Faktoren wie den Preisdruck oder die Konjunktur geschoben. Das Kerngeschäft läuft noch, aber die Basis für zukünftigen Erfolg bröckelt bereits.
- Phase der operativen Krise: Die Probleme werden sichtbar. Wichtige Kennzahlen wie Umsatz und Auftragseingang sind klar rückläufig. Das Unternehmen verliert Marktanteile an agilere Wettbewerber. Oft wird versucht, mit kurzfristigen Kostensenkungsprogrammen gegenzusteuern, ohne das grundlegende Problem des veralteten Geschäftsmodells anzugehen.
- Phase der Liquiditätskrise: Dies ist die letzte und gefährlichste Phase. Der Cashflow wird negativ, Rechnungen können nicht mehr pünktlich bezahlt werden, und die Banken werden nervös. Das Unternehmen ist im reinen Überlebensmodus, und der Handlungsspielraum für eine echte Sanierung ist minimal.
Die größte Gefahr liegt darin, die Ursachen falsch zu deuten. Wie Christoph Niering, Vorsitzender des Verbandes der Insolvenzverwalter Deutschlands, treffend warnt:
Zu schnell wird die Ursache der unternehmerischen Fehlentwicklung bei steigenden Zöllen oder hohen Energiekosten gesucht. Eine gefährliche Fehleinschätzung, da hierdurch Sanierungsmaßnahmen zu spät oder nicht umfassend genug angegangen werden.
– Christoph Niering, Vorsitzender des Verbandes der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands
Ein strategisches Betriebssystem zwingt zur regelmäßigen und ehrlichen Auseinandersetzung mit den eigenen Leistungen und dem Marktumfeld und hilft, die Signale der ersten Phase frühzeitig zu erkennen.
Offsite-Meeting: Wie Sie in 2 Tagen eine Strategie entwickeln, die trägt
Ein Strategie-Offsite ist mehr als nur ein Meeting außerhalb des Büros. Es ist der ideale Moment, um das Führungsteam auf eine gemeinsame Richtung einzuschwören und den Grundstein für das strategische Betriebssystem zu legen. Das Ziel für zwei intensive Tage ist nicht, ein 100-seitiges Dokument zu erstellen, sondern Klarheit über die 3-5 wichtigsten strategischen Prioritäten für die nächsten 12-18 Monate zu gewinnen und diese in die Sprache von OKRs zu übersetzen.
Der Erfolg eines solchen Workshops hängt von der Struktur ab. Tag 1 sollte der Analyse gewidmet sein: Eine schonungslose Diskussion der (richtig durchgeführten) SWOT/TOWS-Analyse, eine Bewertung der Wettbewerbslandschaft und die Definition der Kernherausforderung. Tag 2 konzentriert sich auf die Zukunft: die Formulierung der übergeordneten Objectives für das kommende Jahr und das Brainstorming der ersten Key Results für das anstehende Quartal. Hier wird der Übergang von der alten zur neuen Welt vollzogen, wie der Vergleich zwischen klassischem Management by Objectives (MBO) und OKR zeigt.
Der folgende Überblick verdeutlicht den Paradigmenwechsel, den Sie bei einem solchen Offsite einleiten können:
| Aspekt | OKR | MBO |
|---|---|---|
| Fokus | Qualitative Objectives mit messbaren Key Results | Quantitative KPIs |
| Zeithorizont | Quartalsweise Zyklen | Jährliche Ziele |
| Transparenz | Alle kennen alle Ziele | Hierarchische Kommunikation |
| Flexibilität | Agile Anpassung möglich | Starre Jahresplanung |
Das Offsite-Meeting ist somit der „Installationstag“ für Ihr neues Betriebssystem. Es ist der Moment, in dem das gesamte Führungsteam das Commitment abgibt, fortan nach diesem agilen, transparenten und ergebnisorientierten Rhythmus zu arbeiten. Das Ergebnis ist kein fertiger Plan, sondern ein Startpunkt für einen lebendigen Prozess.
Das Wichtigste in Kürze
- Strategie als Betriebssystem: Hören Sie auf, Strategie als statisches Dokument zu sehen. Etablieren Sie stattdessen einen lebendigen, agilen Prozess im Unternehmen.
- OKR als Motor: Nutzen Sie Objectives and Key Results, um abstrakte Ziele in messbare, motivierende Aufgaben für alle Teams zu übersetzen und Transparenz zu schaffen.
- Rhythmus ist entscheidend: Regelmäßige Rituale wie wöchentliche Check-ins und quartalsweise Reviews halten die Strategie im Bewusstsein und ermöglichen eine schnelle Anpassung an Veränderungen.
Wie etablieren Sie einen monatlichen Soll-Ist-Vergleich, der Handlungsbedarf sofort aufzeigt?
Ein strategisches Betriebssystem benötigt ein Cockpit – ein Dashboard, das auf einen Blick zeigt, ob das Unternehmen auf Kurs ist. Ein einfacher monatlicher Soll-Ist-Vergleich, der nur auf Finanzkennzahlen blickt, ist hierfür unzureichend. Er ist zu langsam und blickt nur in den Rückspiegel. Um Handlungsbedarf sofort aufzuzeigen, benötigen Sie ein intelligentes System, das sowohl die strategischen Fortschritte (OKRs) als auch die Gesundheit des Tagesgeschäfts überwacht.
Eine bewährte Methode ist die Ergänzung von OKRs durch sogenannte Health Metrics. Dies sind 2-4 zentrale Kennzahlen, die den Zustand des operativen Geschäfts widerspiegeln, z. B. Kundenzufriedenheit, Systemverfügbarkeit oder die Anzahl offener Support-Tickets. Während OKRs den Fokus auf Veränderung und Wachstum legen, stellen Health Metrics sicher, dass das Kerngeschäft dabei nicht vernachlässigt wird. Verschlechtert sich eine Health Metric dauerhaft, ist dies ein klares Alarmsignal, das sofortige Management-Aufmerksamkeit erfordert, selbst wenn die OKR-Ziele erreicht werden.

Ein solches Dashboard kombiniert also zwei Arten von Indikatoren:
- Lead Measures (Frühindikatoren): Dies sind oft Ihre Key Results. Sie messen die Aktivitäten, die zukünftigen Erfolg vorhersagen (z. B. Anzahl geführter Verkaufsdemos, Konversionsrate auf einer Landingpage).
- Lag Measures (Spätindikatoren): Dies sind die klassischen Ergebnis-Kennzahlen wie Umsatz und Gewinn, aber auch die Health Metrics. Sie zeigen das Resultat vergangener Aktivitäten.
Ein monatlicher Review-Prozess, der sowohl OKR-Fortschritte als auch Health Metrics beleuchtet, schafft eine umfassende Soll-Ist-Intelligenz. Abweichungen werden nicht erst am Quartalsende, sondern frühzeitig erkannt, was gezielte Interventionen ermöglicht. So wird aus einem reaktiven Reporting ein proaktives Steuerungsinstrument.
Beginnen Sie noch heute damit, diese Prinzipien anzuwenden, um Ihr Strategiepapier aus der Schublade zu befreien und es zum pulsierenden Herzen Ihres Unternehmens zu machen.
Häufige Fragen zur Umsetzung von Strategien mit OKR
Welche Rolle spielt der OKR Master im Unternehmen?
Der OKR Master ist kein Projektmanager, sondern ein Coach und Koordinator mit einem agilen Mindset. Seine Hauptaufgabe ist es, das Bewusstsein für die OKR-Methode im Unternehmen zu schaffen, die zentralen Events (Planning, Review etc.) zu moderieren, Hindernisse bei der Zielerreichung zu beseitigen und die Methode flächendeckend als festen Bestandteil der Unternehmenskultur zu etablieren.
Wie unterscheiden sich OKR Check-Ins von OKR Reviews?
Check-Ins sind regelmäßige, kurze Meetings, die meist wöchentlich oder zweiwöchentlich stattfinden. Ihr Zweck ist die schnelle Kontrolle des Fortschritts und die Identifizierung von Blockaden. Reviews hingegen finden am Ende eines OKR-Zyklus (meist quartalsweise) statt und beinhalten eine tiefere, strategische Analyse: Was haben wir erreicht? Was haben wir gelernt? Was lief gut im Prozess und was nicht?
Warum scheitern OKR-Implementierungen oft?
Die häufigste Ursache für das Scheitern von OKR ist ein Mangel an konsequenter Disziplin und Verbindlichkeit, insbesondere seitens des Top-Managements. Wenn die OKR-Routinen nicht konsequent eingefordert und vorgelebt werden, verliert das System an Relevanz. OKR kann nur erfolgreich sein, wenn es als zentrales Führungsinstrument verstanden und zur DNA jedes Mitarbeiters wird, anstatt nur eine weitere administrative Aufgabe zu sein.