
Der Investitionsabzugsbetrag (IAB) ist keine reine Jahresende-Taktik zur Steuersenkung, sondern Ihr mächtigstes Instrument für eine vorausschauende, mehrjährige Finanzarchitektur.
- Er ermöglicht eine strategische Gewinnglättung, um Progressionsspitzen zu kappen und die Steuerlast über Jahre zu harmonisieren.
- Er dient der Liquiditätssteuerung, indem er die Steuerlast senkt, bevor die Investition tatsächlich getätigt und bezahlt wird.
Empfehlung: Betrachten Sie den IAB nicht als einmalige Maßnahme, sondern als zentralen Baustein Ihrer jährlichen Bilanzplanung, um den Unternehmensgewinn aktiv zu gestalten.
Für viele Unternehmer ist der Investitionsabzugsbetrag (IAB) ein bekanntes Instrument, das kurz vor dem Jahreswechsel aus der Schublade geholt wird, um den zu versteuernden Gewinn zu drücken. Man plant eine Anschaffung, bildet einen IAB und freut sich über die unmittelbare Steuerersparnis. Dieser reaktive Ansatz ist zwar korrekt, kratzt aber nur an der Oberfläche des wahren Potenzials. Er behandelt den IAB wie ein Schmerzmittel gegen hohe Steuerlasten, anstatt ihn als strategisches Vitamin für die langfristige Finanzgesundheit des Unternehmens zu begreifen.
Die üblichen Ratschläge konzentrieren sich auf die mechanische Anwendung: die Einhaltung der Gewinngrenzen, die 90%-ige betriebliche Nutzung und die fristgerechte Investition. Doch was wäre, wenn der wahre Wert des IAB nicht in der einmaligen Steuerersparnis liegt, sondern in seiner Fähigkeit, die finanzielle Zukunft Ihres Unternehmens proaktiv zu formen? Wenn die eigentliche Meisterschaft darin besteht, ihn als Werkzeug der antizyklischen Planung und der bewussten Bilanzarchitektur zu verwenden?
Dieser Artikel bricht mit der traditionellen Sichtweise. Wir betrachten den IAB nicht als isolierte Maßnahme, sondern als Dirigenten eines ganzen Orchesters steuerlicher Instrumente. Es geht darum, Gewinnverläufe zu glätten, die Rechtsformwahl zu hinterfragen, die Sonderabschreibung intelligent zu hebeln und letztlich eine robuste, steueroptimierte Finanzstruktur für die kommenden Jahre zu schaffen. Sie werden lernen, wie Sie von einem reinen „Steuersparer“ zu einem strategischen Finanzarchitekten für Ihr eigenes Unternehmen werden.
Um diese strategische Perspektive vollständig zu erschließen, gliedert sich dieser Artikel in präzise, taktische Bausteine. Jeder Abschnitt beleuchtet eine spezifische Facette, wie der IAB in ein größeres, planerisches Gesamtbild integriert wird, um maximale Wirkung zu erzielen.
Sommaire : Ihr strategischer Leitfaden zur optimalen Nutzung des IAB
- Warum konstante Gewinne steuerlich günstiger sind als extreme Schwankungen
- 1%-Regelung oder Fahrtenbuch: Was lohnt sich bei Ihrem Fahrprofil wirklich?
- GmbH oder Einzelunternehmen: Ab welchem Gewinn kippt der Steuervorteil?
- Das zu hohe Geschäftsführergehalt: Wenn das Finanzamt Ihr Gehalt nicht anerkennt
- Jahresende-Taktik: Wann Sie Maschinen kaufen müssen, um die Steuer noch zu drücken
- Warum Sie den IAB nur bis 200.000 € Gewinn bilden dürfen
- Wie Sie 20 % Sonderabschreibung nutzen, ohne Liquidität abfließen zu lassen
- Wie nutzen Sie den Investitionsabzugsbetrag (IAB), um dieses Jahr Steuern zu sparen?
Warum konstante Gewinne steuerlich günstiger sind als extreme Schwankungen
Ein häufiger Trugschluss in der Unternehmensführung ist die Annahme, dass ein Rekordgewinn in einem Jahr immer ein uneingeschränkter Erfolg ist. Steuerlich gesehen ist das Gegenteil der Fall. Extreme Gewinnschwankungen – ein sehr hohes Ergebnis in einem Jahr, gefolgt von einem mageren im nächsten – führen aufgrund der Steuerprogression in Deutschland zu einer insgesamt höheren Steuerbelastung. Ein konstant guter Gewinn über mehrere Jahre ist weitaus effizienter. Genau hier entfaltet der IAB seine strategische Kernkompetenz: die Gewinnglättung.
Stellen Sie sich den IAB als ein Ventil vor. In einem Jahr mit unerwartet hohem Gewinn können Sie durch die Bildung eines IAB für eine zukünftige Investition Ihren aktuellen Gewinn gezielt senken. Sie verlagern einen Teil des Gewinns steuerneutral in die Zukunft. Fällt der Gewinn im Folgejahr niedriger aus oder Sie benötigen die Maschine tatsächlich, lösen Sie den IAB auf. Dadurch wird der Gewinn in diesem schwächeren Jahr zwar erhöht, aber auf einem niedrigeren Progressionsniveau besteuert. Das Ergebnis ist eine Harmonisierung der Gewinne und eine Reduzierung der Gesamtsteuerlast über den Betrachtungszeitraum.

Diese Vorgehensweise ist ein Paradebeispiel für antizyklische Planung. Sie schaffen finanzielle Puffer in guten Zeiten, um in schwächeren Phasen stabiler aufgestellt zu sein oder Investitionen dann zu tätigen, wenn andere zögern. Der IAB wird so vom reinen Steuersparinstrument zum Werkzeug der unternehmerischen Risikosteuerung.
Beispielrechnung: LKW-Anschaffung mit IAB-Nutzung
Ein Transportunternehmen erzielt 2023 einen hohen Gewinn und plant für 2024 die Anschaffung eines LKW für 50.000 Euro. Es bildet in 2023 einen IAB in Höhe von 25.000 Euro (50 %). Bei einem Grenzsteuersatz von 40 % reduziert dies die Steuerlast für 2023 sofort um 10.000 Euro. Bei der Anschaffung in 2024 wird der IAB gewinnerhöhend aufgelöst, aber gleichzeitig werden die Anschaffungskosten um den IAB gemindert, was zu einer niedrigeren Abschreibungsbasis führt. Durch die Kombination von IAB, Sonderabschreibung und regulärer AfA kann die Gesamtsteuerersparnis über die Laufzeit auf bis zu 16.000 Euro ansteigen.
1%-Regelung oder Fahrtenbuch: Was lohnt sich bei Ihrem Fahrprofil wirklich?
Die Wahl zwischen der pauschalen 1%-Regelung und dem mühsamen Führen eines Fahrtenbuchs ist ein Dauerbrenner für Unternehmer mit Firmenwagen. Die landläufige Meinung besagt, dass sich das Fahrtenbuch nur bei einem sehr geringen Privatanteil lohnt. Der IAB kann diese Kalkulation jedoch entscheidend verändern und das Fahrtenbuch auch bei einem höheren geschäftlichen Nutzungsanteil zur steuerlich attraktiveren Option machen.
Der strategische Hebel liegt in der Abschreibung (AfA). Bei der Fahrtenbuchmethode werden die tatsächlichen Kosten des Fahrzeugs, inklusive der AfA, angesetzt. Wenn Sie nun vor der Anschaffung des Firmenwagens einen IAB bilden und diesen bei Kauf mit der Sonderabschreibung kombinieren, reduzieren Sie die Anschaffungskosten drastisch. Diese reduzierte AfA-Basis senkt die jährlich absetzbaren Kosten, die dem Privatanteil zugerechnet werden. Der geldwerte Vorteil aus der Privatnutzung sinkt, und Ihre Steuerlast ebenso. Die 1%-Regelung hingegen basiert stur auf dem Bruttolistenpreis und bleibt von diesen Manövern unberührt.
Dieser taktische Einsatz des IAB macht das Fahrtenbuch plötzlich für ein viel breiteres Spektrum von Fahrprofilen interessant. Insbesondere bei teuren Fahrzeugen, bei denen die 1%-Regelung zu einem sehr hohen geldwerten Vorteil führt, kann die Kombination aus IAB, Sonder-AfA und Fahrtenbuch einen signifikanten Steuervorteil generieren, selbst wenn der geschäftliche Nutzungsanteil „nur“ bei 30-50 % liegt.
Die folgende Gegenüberstellung verdeutlicht, wie der IAB die Entscheidungsgrundlage verschiebt, wie eine vergleichende Analyse von Lexware aufzeigt.
| Kriterium | 1%-Regelung ohne IAB | 1%-Regelung mit IAB | Fahrtenbuch mit IAB |
|---|---|---|---|
| Bemessungsgrundlage | Bruttolistenpreis voll | Bruttolistenpreis voll | Reduzierte AfA-Basis |
| Verwaltungsaufwand | Minimal | Minimal | Hoch (Dokumentation) |
| Vorteilhaft bei geschäftlicher Nutzung | Ab 50% | Ab 50% | Bereits ab 30% durch IAB |
| Steuerliche Flexibilität | Keine | IAB-Vorteil vorab | Maximale Optimierung |
GmbH oder Einzelunternehmen: Ab welchem Gewinn kippt der Steuervorteil?
Die Frage nach der optimalen Rechtsform ist eine der strategischsten Entscheidungen für jeden Unternehmer. Oft wird die GmbH pauschal als die steuerlich günstigere Variante dargestellt. Doch die Realität ist differenzierter. Der Steuervorteil der GmbH entfaltet sich erst dann, wenn die Gewinne im Unternehmen thesauriert, also nicht ausgeschüttet werden. Der IAB kann hier als Puffer und Gestaltungsinstrument dienen, um die Vorteile der jeweiligen Rechtsform gezielt zu nutzen.
Grundsätzlich gilt: Ab einem Jahresgewinn von 80.000 bis 100.000 Euro wird die GmbH steuerlich vorteilhaft, vorausgesetzt, der Gewinn wird nicht vollständig für den privaten Lebensunterhalt benötigt. Der Grund: Gewinne werden in der GmbH nur mit ca. 30 % (Körperschaftsteuer + Gewerbesteuer) besteuert, während im Einzelunternehmen der persönliche Einkommensteuersatz von bis zu 45 % greift. Erst bei der Ausschüttung aus der GmbH an den Gesellschafter fällt eine weitere Besteuerung an (Abgeltungsteuer), was den Vorteil schmälert.
Ein IAB kann im Einzelunternehmen dazu dienen, den Gewinn gezielt unter die kritische Schwelle zu drücken, ab der die GmbH vorteilhafter wäre. So können Sie hohe Progressionsspitzen im persönlichen Steuersatz kappen und die Entscheidung für eine Umwandlung in eine GmbH strategisch aufschieben, bis die Thesaurierungsfähigkeit des Unternehmens nachhaltig gesichert ist. In der GmbH wiederum kann ein IAB genutzt werden, um den Gewinn vor Körperschaftsteuer weiter zu senken und so die Thesaurierungsquote zu maximieren.
Steuerbelastungsvergleich bei 150.000 Euro Gewinn
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Kluft: Bei einem Jahresgewinn von 150.000 Euro zahlt eine GmbH rund 22.500 Euro Körperschaftsteuer (15%). Ein Einzelunternehmer hingegen, der dem Spitzensteuersatz unterliegt, zahlt auf denselben Gewinn nach Abzug von Freibeträgen schnell über 60.000 Euro Einkommensteuer. Die Differenz von fast 40.000 Euro zugunsten der GmbH zeigt das enorme Potenzial, das in der richtigen Rechtsformwahl und der Thesaurierung von Gewinnen liegt, wie eine Analyse von Dein-Steuerbuero.de darlegt.
Eine GmbH lohnt sich steuerlich vor allem dann, wenn Gewinn minus Konsumbedarf dauerhaft deutlich positiv ist und die Liquiditätsüberschüsse thesauriert werden. Wenn der Gewinn nahezu vollständig privat benötigt wird, verpufft der Steuervorteil oft.
– Steuerexperten von SteuernSteuern.de, GmbH vs Einzelunternehmen Steuern
Das zu hohe Geschäftsführergehalt: Wenn das Finanzamt Ihr Gehalt nicht anerkennt
Für Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH ist das eigene Gehalt ein zentrales Instrument zur Gewinnsteuerung. Es mindert als Betriebsausgabe den zu versteuernden Gewinn der GmbH. Doch hier lauert eine erhebliche Gefahr: die verdeckte Gewinnausschüttung (vGA). Stuft das Finanzamt das Gehalt als unangemessen hoch ein, wird der überhöhte Teil nicht als Betriebsausgabe anerkannt und muss von der GmbH nachversteuert werden. Zusätzlich wird dieser Teil beim Geschäftsführer nicht als Gehalt, sondern als Kapitalertrag behandelt, was die steuerliche Gesamtbelastung erhöht.
Die Bildung eines IAB kann in diesem Kontext eine doppelte Schutzfunktion einnehmen. Erstens: Wenn Sie in einem ertragsstarken Jahr einen IAB bilden, senken Sie den ausgewiesenen Gewinn der GmbH. Ein hohes Geschäftsführergehalt wirkt in Relation zu einem niedrigeren Gewinn schneller unangemessen. Durch den IAB schaffen Sie also einen „Gewinnpuffer“, der die Angemessenheit Ihres Gehalts untermauert und das Risiko einer vGA reduziert. Sie signalisieren dem Finanzamt eine vorausschauende Investitionsplanung statt kurzfristiger Gewinnabschöpfung.

Zweitens kann die durch den IAB geschaffene Steuerersparnis strategisch genutzt werden, um die Gehaltsstruktur zu optimieren. Anstatt das Bargehalt weiter zu erhöhen, kann die Liquidität in hochwertige Sachbezüge investiert werden. Die Anschaffung eines neuen Firmenwagens oder modernster technischer Ausrüstung für den Geschäftsführer, finanziert aus der eingesparten Steuer, ist oft eine klügere Alternative als eine Gehaltserhöhung, die das vGA-Risiko steigert. Der IAB wird so zum Enabler einer intelligenten und steuerlich sicheren Vergütungspolitik.
Jahresende-Taktik: Wann Sie Maschinen kaufen müssen, um die Steuer noch zu drücken
Der Mythos, man müsse zum Jahresende noch schnell eine Maschine kaufen, um die Steuerlast zu senken, hält sich hartnäckig. Der IAB entkoppelt jedoch die Steuerersparnis vollständig vom tatsächlichen Investitionszeitpunkt. Dies ist einer seiner größten strategischen Vorteile. Sie müssen nicht überstürzt handeln, sondern können vorausschauend planen.
Die Regel ist einfach: Sie können den IAB für eine geplante Investition bilden und damit Ihren Gewinn im laufenden Jahr mindern, haben dann aber bis zu drei Jahre Zeit, die Investition tatsächlich zu tätigen. Das bedeutet, Sie sichern sich den Steuervorteil sofort, ohne dass sofort Liquidität abfließt. Sie können in Ruhe den Markt sondieren, Angebote vergleichen und den perfekten Zeitpunkt für die Anschaffung abwarten. Sollte die Investition innerhalb der Frist nicht zustande kommen, wird der IAB zwar rückwirkend aufgelöst und die Steuer nachgefordert, aber bis dahin hatten Sie einen zinslosen Kredit vom Finanzamt.
Diese Entkopplung ist besonders wertvoll bei Lieferverzögerungen oder wenn Sie auf eine neue Technologiegeneration warten möchten. Sie können den IAB für „eine Maschine“ bilden und sind flexibel, welches Modell Sie schlussendlich kaufen. Es ist sogar möglich, den IAB für neue oder gebrauchte Wirtschaftsgüter zu nutzen, was die Flexibilität weiter erhöht. Die Planung gewinnt an Souveränität. Eine geplante Investition von 100.000 Euro, für die ein IAB von 50.000 Euro gebildet wird, kann laut Berechnungen von Steuerexperten bereits im Planungsjahr eine Steuerminderung von rund 15.000 Euro bewirken – lange bevor der erste Euro ausgegeben wurde.
Warum Sie den IAB nur bis 200.000 € Gewinn bilden dürfen
Die Gewinngrenze von 200.000 Euro ist die zentrale Leitplanke für die Inanspruchnahme des IAB. Sie ist kein willkürlicher Wert, sondern spiegelt den klaren Willen des Gesetzgebers wider: Der IAB ist ein Förderinstrument gezielt für kleine und mittlere Betriebe. Größere Unternehmen mit höheren Gewinnen sind von dieser Subvention ausgeschlossen.
Der Gedanke dahinter ist, diesen Unternehmen die Finanzierung von Investitionen zu erleichtern und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die Möglichkeit, die Steuerlast vorzuverlegen, schafft Liquidität, die für das Wachstum entscheidend sein kann.
Durch die zeitliche Vorverlagerung der Gewinnminderung höchstens drei Jahre vor Anschaffung oder Herstellung des Wirtschaftsgutes subventioniert § 7g Abs. 1 EStG kleine und mittlere Betriebe, indem die Finanzierung bestimmter Investitionen erleichtert wird.
– NWB Datenbank, Rechtliche Grundlagen des IAB
Für Unternehmer, deren Gewinn sich dieser Grenze nähert, ist taktisches Handeln gefragt. Überschreitet der Gewinn – auch nur um einen Euro – die 200.000-Euro-Marke, entfällt die Möglichkeit zur Bildung des IAB komplett. Es gilt also, den Gewinn aktiv unter dieser Schwelle zu halten. Dafür gibt es mehrere legitime Strategien:
- Vorziehen von Betriebsausgaben: Planbare Ausgaben (z.B. Wartung, Marketingkampagnen) können noch im laufenden Jahr getätigt werden.
- Mitarbeiterboni: Die Gewährung von Sonderzahlungen an Mitarbeiter mindert den Gewinn und fördert die Motivation.
- Investition in GWG: Die Anschaffung geringwertiger Wirtschaftsgüter (GWG) bis 800 Euro netto kann sofort vollständig abgeschrieben werden.
- Rückstellungen bilden: Für ungewisse Verbindlichkeiten oder ausstehende Rechnungen können und müssen Rückstellungen gebildet werden, die den Gewinn senken.
- Vorsicht bei Betriebsaufspaltung: Besonders kritisch ist die „Betriebsaufspaltungs-Falle“. Besteht eine enge Verflechtung zwischen mehreren Unternehmen (z.B. Besitz- und Betriebsgesellschaft), werden deren Gewinne für die IAB-Grenze zusammengerechnet. Eine klare Trennung der Strukturen ist hier essenziell.
Wie Sie 20 % Sonderabschreibung nutzen, ohne Liquidität abfließen zu lassen
Der Investitionsabzugsbetrag entfaltet seine volle steuerliche Wucht erst im Zusammenspiel mit der Sonderabschreibung nach § 7g EStG. Lange Zeit betrug diese 20 % der (um den IAB geminderten) Anschaffungskosten. Hier gibt es eine entscheidende Neuerung: Mit dem Wachstumschancengesetz wurde die Sonderabschreibung für Investitionen ab dem 01.01.2024 massiv angehoben. Laut einer Analyse der Consilia Steuerberatungsgesellschaft wurde die Höhe der Sonderabschreibung von 20 % auf jetzt 40 % erhöht.
Diese Verdopplung ist ein enormer Hebel. Im Jahr der Anschaffung können Sie nun zusätzlich zur regulären AfA weitere 40 % der Kosten steuerlich geltend machen. Der Clou: Auch diese Sonderabschreibung können Sie, wie die reguläre AfA, über den gesamten Investitionszeitraum von bis zu fünf Jahren verteilen. Sie müssen sie nicht im ersten Jahr voll ausschöpfen. Das gibt Ihnen maximale Flexibilität, um die Abschreibung genau dann zu nutzen, wenn Sie hohe Gewinne erwarten und die steuermindernde Wirkung am dringendsten benötigen.
Das strategische Ziel ist der „Triple-Dip“:
- IAB bilden: Gewinn im Planungsjahr senken, Liquidität schaffen.
- Sonder-AfA (40 %) nutzen: Im Jahr der Anschaffung (oder später) eine massive zusätzliche Abschreibung geltend machen.
- Reguläre AfA ansetzen: Die verbleibenden Anschaffungskosten über die Nutzungsdauer abschreiben.
Dieses Vorgehen führt zu einer erheblichen Vorverlagerung des Abschreibungsvolumens und maximiert den Steuerstundungseffekt. Sie verschaffen sich einen erheblichen Liquiditätsvorteil, den Sie für weiteres Wachstum oder zur Stärkung Ihrer Eigenkapitalbasis nutzen können.
Beispiel: Batteriespeicher-Investment
Ein Unternehmer mit einem zu versteuernden Einkommen von 240.000 € investiert in einen Batteriespeicher. Durch die optimale Kombination aus IAB, der neuen 40%-Sonderabschreibung und der linearen AfA (Abschreibung für Abnutzung) kann die jährliche Steuerlast im ersten Jahr von rund 104.778 € auf nur 59.886 € sinken. Dies entspricht einer Steuerersparnis von 44.892 € allein im ersten Jahr – ein massiver Liquiditätsgewinn, der die Investition refinanziert.
Das Wichtigste in Kürze
- Der IAB ist ein strategisches Planungsinstrument zur Gewinnglättung und Liquiditätssteuerung, kein reaktives Sparmodell am Jahresende.
- Die Kombination aus IAB, der neuen Sonderabschreibung von 40 % und regulärer AfA maximiert den Steuervorteil und den Liquiditätsgewinn.
- Eine vorausschauende, mehrjährige Planung zur Harmonisierung von Gewinnen ist steuerlich weitaus effizienter als die Reaktion auf einzelne Gewinnspitzen.
Wie nutzen Sie den Investitionsabzugsbetrag (IAB), um dieses Jahr Steuern zu sparen?
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die optimale Nutzung des Investitionsabzugsbetrags einen Paradigmenwechsel erfordert: weg von der kurzfristigen Reaktion, hin zur langfristigen, strategischen Bilanzarchitektur. Es geht nicht darum, *ob* Sie den IAB nutzen, sondern *wie* Sie ihn in Ihre gesamte Finanzplanung integrieren. Der IAB ist Ihr mächtigstes Werkzeug, um Gewinne über Jahre zu verschieben, Progressionsspitzen zu kappen und Liquidität genau dann bereitzustellen, wenn Sie sie benötigen – nicht erst, wenn die Steuerlast drückt.
Der entscheidende Vorteil liegt in der Vorverlagerung der steuerlichen Entlastung. Sie können bis zu 50% der voraussichtlichen Netto-Anschaffungskosten bereits bis zu drei Jahre vor der eigentlichen Anschaffung gewinnmindernd geltend machen. Dieser sofortige Liquiditätsvorteil, kombiniert mit der neuen 40%-Sonderabschreibung im Anschaffungsjahr, schafft einen finanziellen Spielraum, den clevere Unternehmer für Wachstum, Schuldentilgung oder die Stärkung ihrer Krisenfestigkeit nutzen.
Die folgende Checkliste dient als Ihr strategischer Fahrplan, um den IAB nicht nur anzuwenden, sondern ihn meisterhaft zu beherrschen. Sehen Sie sie als Leitfaden für Ihr jährliches Bilanzgespräch mit Ihrem Steuerberater.
Ihr strategischer Fahrplan zur IAB-Nutzung
- Berechtigung prüfen: Stellen Sie sicher, dass Ihr voraussichtlicher Gewinn für das Wirtschaftsjahr die Grenze von 200.000 € nicht überschreitet.
- Investitionshorizont definieren: Inventarisieren Sie alle geplanten Anschaffungen für abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens für die nächsten drei Jahre.
- Optimalen Betrag berechnen: Ermitteln Sie auf Basis Ihrer Gewinnsituation den IAB-Betrag (bis zu 50% der Kosten), der zur optimalen Gewinnglättung und Progressionskappung führt.
- Dokumentation sicherstellen: Halten Sie Ihre Investitionsabsicht nachvollziehbar fest, idealerweise durch konkrete Planungen, Angebote oder erste Finanzierungsanfragen.
- Kombination planen: Planen Sie den „Triple-Dip“ – die strategische Kombination aus IAB, der neuen 40%-Sonderabschreibung und der regulären AfA – für maximale Steuer- und Liquiditätseffekte.
Beginnen Sie jetzt damit, Ihre Investitionen nicht nur zu tätigen, sondern sie strategisch zu planen. Analysieren Sie Ihre Gewinnsituation und nutzen Sie den IAB als aktives Gestaltungselement für eine optimierte Steuerbilanz und eine robuste Unternehmenszukunft.
Häufige Fragen zum Investitionsabzugsbetrag
Muss ich zum Jahresende noch schnell investieren, um Steuern zu sparen?
Nein, das ist ein häufiger Irrtum. Mit dem IAB können Sie den Gewinn für das laufende Jahr mindern und haben dann bis zu drei Jahre Zeit für die tatsächliche Investition. Der Steuervorteil wird also vom Kaufzeitpunkt entkoppelt.
Was passiert bei Lieferverzögerungen, wenn die Drei-Jahres-Frist abläuft?
Die Investition muss verbindlich bestellt und angezahlt innerhalb der dreijährigen Frist erfolgen, die Lieferung kann auch später stattfinden. Wird die Frist ohne verbindliche Bestellung versäumt, wird der IAB rückwirkend aufgelöst und Ihre Steuerschuld für das Bildungsjahr nachträglich erhöht, inklusive Zinsen.
Kann ich den IAB auch für gebrauchte Wirtschaftsgüter nutzen?
Ja, das ist ein wesentlicher Vorteil. Der IAB kann sowohl für neue als auch für gebrauchte abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens gebildet werden. Dies erhöht Ihre Flexibilität bei der Investitionsentscheidung erheblich.