Veröffentlicht am Mai 21, 2024

Der Investitionsabzugsbetrag ist weniger ein Steuersparmodell als vielmehr ein hochwirksamer, aber riskanter Liquiditätskredit vom Finanzamt.

  • Erfolgreiche Nutzung hängt von der Einhaltung der 200.000 € Gewinngrenze und der dreijährigen Investitionsfrist ab.
  • Scheitert die Investition, droht eine „Zinsfalle“ mit 6 % Strafzinsen pro Jahr auf die Steuernachzahlung.

Empfehlung: Nutzen Sie den IAB nur mit einem felsenfesten Investitionsplan und aktiver Gewinnsteuerung, um eine teure Rückabwicklung zu vermeiden.

Für profitable Handwerksbetriebe und Dienstleister stellt sich am Ende jedes Jahres dieselbe Frage: Wie lässt sich die Steuerlast für das laufende Jahr noch intelligent reduzieren? Viele denken dabei sofort an den Investitionsabzugsbetrag (IAB) nach § 7g EStG. Er verspricht, bis zu 50 % der Kosten einer zukünftigen Anschaffung bereits heute vom Gewinn abzuziehen und so die Steuerzahlung in die Zukunft zu verschieben. Dieses Instrument wird oft als simples Steuersparmodell dargestellt, doch diese Sichtweise ist gefährlich unvollständig.

In der Praxis ist der IAB kein Geschenk, sondern ein strategisches Finanzierungsinstrument mit strengen Regeln und erheblichen Risiken. Die wahre Meisterschaft liegt nicht darin, einen Betrag in der Steuererklärung anzusetzen. Sie liegt darin, die Gewinngrenzen präzise zu steuern, die Liquiditätseffekte richtig zu kalkulieren und die gefürchtete Zinsfalle bei Nichtinvestition aktiv zu vermeiden. Es geht darum, den IAB als das zu nutzen, was er ist: eine zinslose Liquiditätsbrücke für eine fest geplante Investition, nicht eine vage Bilanzkosmetik.

Dieser Artikel führt Sie durch die taktischen Überlegungen, die für eine erfolgreiche Nutzung des IAB entscheidend sind. Wir beleuchten die kritischen Fristen, die Fallstricke und die fortgeschrittenen Kombinationen mit Sonderabschreibungen, damit Sie nie von Nachzahlungen überrascht werden und Ihre Kreditwürdigkeit bei der Bank nicht aufs Spiel setzen.

Der folgende Leitfaden ist strukturiert, um Ihnen eine klare und strategische Perspektive auf den Investitionsabzugsbetrag zu geben. Vom Verständnis der fundamentalen Regeln bis hin zur fortgeschrittenen Planung werden alle Aspekte beleuchtet, die für eine sichere und profitable Anwendung entscheidend sind.

Warum Sie den IAB nur bis 200.000 € Gewinn bilden dürfen

Die erste und wichtigste Hürde für die Nutzung des Investitionsabzugsbetrags ist die Gewinngrenze. Ihr zu versteuernder Gewinn des Jahres, in dem Sie den IAB bilden wollen, darf 200.000 Euro nicht überschreiten. Diese Regel ist unerbittlich: Ein einziger Euro zu viel, und der gesamte Steuervorteil ist verloren. Diese einheitliche Gewinngrenze gilt seit der Vereinfachung durch das Jahressteuergesetz 2020 für alle Einkunftsarten, was die Planung erleichtert, aber nicht minder anspruchsvoll macht.

Für einen profitablen Betrieb bedeutet dies, dass eine genaue strategische Gewinnsteuerung zum Jahresende unerlässlich ist. Es reicht nicht, im Dezember grob auf die Zahlen zu schauen. Sie benötigen eine präzise Prognose-Rechnung für das letzte Quartal. Liegt Ihr voraussichtlicher Gewinn knapp über der Grenze, müssen Sie aktiv werden. Dies kann durch das Vorziehen von Betriebsausgaben geschehen, wie geplante Wartungen, Reparaturen oder den Einkauf von Büromaterial. Auch die Bildung von notwendigen Rückstellungen für ausstehende Rechnungen oder drohende Verluste kann den Gewinn gezielt senken. In manchen Fällen ist es sogar möglich, den Zeitpunkt der Rechnungsstellung für abgeschlossene Projekte legal ins neue Jahr zu verschieben, um den Gewinn im aktuellen Jahr zu reduzieren.

Die Grenze von 200.000 Euro ist also kein passiver Schwellenwert, sondern eine aktive Managementaufgabe. Ein erfahrener Steuerberater wird mit Ihnen die Möglichkeiten zur Gewinnsteuerung prüfen, um den Weg für den IAB freizumachen. Sollte die Grenze dennoch überschritten werden, müssen Alternativen geprüft werden.

Ihr Aktionsplan zur Gewinnsteuerung unter 200.000 Euro

  1. Prognose-Rechnung durchführen: Analysieren Sie spätestens im Oktober Ihre monatlichen Zwischenergebnisse und erstellen Sie eine Gewinnprognose für das Gesamtjahr.
  2. Vorgezogene Ausgaben prüfen: Identifizieren Sie geplante, aber noch nicht durchgeführte Ausgaben (z.B. Wartungen, Reparaturen, Materialeinkauf) und ziehen Sie diese bewusst ins laufende Jahr vor.
  3. Rückstellungen bilden: Prüfen Sie, ob Sie rechtlich zulässige Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten oder drohende Verluste aus schwebenden Geschäften bilden können.
  4. Rechnungsstellung optimieren: Verschieben Sie, falls betrieblich und vertraglich möglich, die Rechnungsstellung für erbrachte Lieferungen oder Leistungen in den Januar des Folgejahres.
  5. Alternativen bei Überschreitung erwägen: Falls der Gewinn nicht unter die Grenze gedrückt werden kann, prüfen Sie mit Ihrem Berater frühzeitig Alternativen, wie z.B. Strukturanpassungen.

Die Zinsfalle: Was passiert, wenn Sie die geplante Investition doch nicht tätigen?

Der Investitionsabzugsbetrag fühlt sich im ersten Moment wie geschenktes Geld an. Doch der Schein trügt. Das Finanzamt gewährt Ihnen diesen Vorteil nur unter der Bedingung, dass Sie die geplante Investition innerhalb von drei Jahren tatsächlich tätigen. Scheitert dieser Plan, schnappt die Zinsfalle zu – und das kann teuer werden. Wird die Investition nicht realisiert, wird der IAB rückwirkend aufgelöst. Das bedeutet, Ihr Steuerbescheid aus dem Ursprungsjahr wird korrigiert, als hätten Sie den Abzugsbetrag nie gebildet.

Dieser Vorgang löst eine unmittelbare Steuernachzahlung aus. Doch damit nicht genug: Auf diese Nachzahlung berechnet das Finanzamt Zinsen. Gemäß § 233a der Abgabenordnung (AO) belaufen sich diese auf 0,5 % pro Monat, also 6 % pro Jahr. Diese Verzinsung beginnt nicht etwa ab dem Zeitpunkt der Auflösung, sondern bereits 15 Monate nach Ablauf des Jahres, in dem der IAB gebildet wurde. Ein IAB aus dem Jahr 2022, der Ende 2025 aufgelöst wird, kann also Zinsen für mehrere Jahre verursachen. Ein Kostenbeispiel von Taxfix.de für eine IAB-Auflösung verdeutlicht, wie schnell sich hier signifikante Summen ansammeln.

Dieses Szenario zeigt, dass der IAB bei planmäßiger Nutzung einem zinslosen Kredit gleicht, bei Nichtinvestition aber teurer als ein regulärer Bankkredit werden kann. Das Risiko ist nicht zu unterschätzen.

Detailaufnahme von Finanzberechnungen mit Taschenrechner

Wie die Berechnungen zeigen, ist die Entscheidung für einen IAB immer eine Wette auf die Zukunft. Eine realistische und ehrliche Investitionsplanung ist daher keine Option, sondern eine zwingende Notwendigkeit, um sich vor bösen Überraschungen zu schützen.

Die folgende Tabelle stellt die Kosten und Risiken des IAB im Vergleich zu einem klassischen Kontokorrentkredit gegenüber und verdeutlicht die Gefahr der Zinsfalle.

Risikovergleich: IAB vs. Kontokorrentkredit
Finanzierungsart Kosten p.a. Liquiditätseffekt Risiko
IAB (bei planmäßiger Investition) 0% (Steuerstundung) Bis zu 50% der Investition Niedrig
IAB (bei Nichtinvestition) 6% Verzugszinsen Temporär positiv Sehr hoch
Kontokorrentkredit 8-12% Flexibel Mittel

IAB als zinsloser Kredit vom Finanzamt: Wie viel Liquidität bringt das wirklich?

Der größte Vorteil des Investitionsabzugsbetrags liegt nicht primär in der finalen Steuerersparnis, sondern im sofortigen Liquiditätseffekt. Indem Sie bis zu 50 % der voraussichtlichen Anschaffungskosten einer zukünftigen Investition von Ihrem aktuellen Gewinn abziehen, reduzieren Sie Ihre sofort fällige Steuerlast. Das Geld, das Sie sonst an das Finanzamt gezahlt hätten, verbleibt in Ihrem Unternehmen und steht Ihnen als zinsloser Kredit zur Verfügung. Doch wie viel Liquidität bringt das konkret?

Die Höhe des Liquiditätsvorteils hängt direkt von Ihrem persönlichen Steuersatz ab. Angenommen, Sie planen die Anschaffung einer Maschine für 80.000 Euro und unterliegen einem Spitzensteuersatz von 45 % (inkl. Solidaritätszuschlag und ggf. Gewerbesteuer). Sie können einen IAB von 50 %, also 40.000 Euro, bilden. Dieser Betrag mindert Ihren zu versteuernden Gewinn. Ihre Steuerersparnis im Jahr der Bildung beträgt somit 45 % von 40.000 Euro, also 18.000 Euro. Diese 18.000 Euro müssen Sie nicht an das Finanzamt zahlen und können sie stattdessen als Anzahlung oder zur Finanzierung der Investition nutzen.

Dieser Effekt ist eine massive Unterstützung, gerade für kleinere Betriebe, die große Investitionen stemmen müssen. Wie eine Analyse des Liquiditätseffekts zeigt, können Unternehmen durch die Kombination von IAB und Sonderabschreibungen einen erheblichen Teil der Investitionssumme aus der Steuerersparnis finanzieren. Bei einer Investition von 200.000 Euro kann die Steuerersparnis im ersten Jahr schnell über 50.000 Euro betragen. Dieser Betrag kann den Unterschied ausmachen, ob eine Finanzierung durch die Bank überhaupt genehmigt wird oder ob Sie die Investition aus eigener Kraft stemmen können.

Wichtig ist jedoch zu verstehen: Der IAB ist nur eine Steuerstundung. Im Jahr der Anschaffung wird der IAB dem Gewinn wieder hinzugerechnet, was die Steuerlast in diesem Jahr erhöht (dafür wird die reguläre Abschreibung gegengerechnet). Der wahre Gewinn liegt in der zeitlichen Verschiebung und dem Zinsvorteil gegenüber einer Fremdfinanzierung.

Neu oder gebraucht: Gilt der IAB auch für die gebrauchte Maschine?

Eine häufige Frage von Handwerkern und produzierenden Betrieben ist, ob der Investitionsabzugsbetrag nur für funkelnagelneue Maschinen gilt oder auch für den Kauf von gebrauchten Wirtschaftsgütern. Die Antwort des Gesetzgebers ist hier erfreulich praxisnah: Ja, der IAB kann sowohl für neue als auch für gebrauchte bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens gebildet werden. Für das Finanzamt ist der Zustand des Gutes unerheblich, solange die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind.

Dies eröffnet strategische Möglichkeiten. Oft sind gut erhaltene, gebrauchte Maschinen für einen Bruchteil des Neupreises zu haben und erfüllen ihren Zweck ebenso gut. Die Möglichkeit, auch hierfür den IAB zu nutzen, senkt die finanzielle Hürde für eine notwendige Modernisierung oder Kapazitätserweiterung erheblich. Sie können also beispielsweise für eine gebrauchte CNC-Fräse oder einen gebrauchten Transporter einen IAB bilden.

Allerdings gelten für gebrauchte Güter dieselben strengen Dokumentationspflichten. Das Wirtschaftsgut muss bis zum Ende des auf die Anschaffung folgenden Jahres fast ausschließlich (zu mindestens 90 %) betrieblich genutzt werden. Bei einem gebrauchten PKW, der auch privat gefahren wird, ist diese Hürde oft nur mit einem lückenlosen Fahrtenbuch zu nehmen. Zudem müssen Sie die Anschaffung durch einen Kaufvertrag und eine Rechnung klar nachweisen können. Es ist ratsam, bei größeren gebrauchten Maschinen den Zustand und den Restwert durch ein kurzes Gutachten zu dokumentieren, um spätere Diskussionen mit dem Finanzamt zu vermeiden.

Gebrauchte Industriemaschine in deutscher Werkstatt

Die Flexibilität, auch gebrauchte Güter fördern zu können, macht den IAB zu einem noch mächtigeren Werkzeug für kostenbewusste Unternehmer. Solange die betriebliche Notwendigkeit und die Nutzungsanforderungen erfüllt sind, steht dem Steuervorteil nichts im Wege.

IAB plus Sonder-AfA: Wie Sie im Anschaffungsjahr fast 40 % der Kosten absetzen

Die wahre steuerliche Kraft des Investitionsabzugsbetrags entfaltet sich erst in der Kombination mit der Sonderabschreibung (Sonder-AfA) nach § 7g EStG. Während der IAB eine Vorverlagerung des Aufwands darstellt, ermöglicht die Sonder-AfA eine zusätzliche, beschleunigte Abschreibung im Jahr der Anschaffung und den vier Folgejahren. Der Titel dieses Abschnitts spricht von „fast 40 %“, doch durch Gesetzesänderungen ist der Effekt sogar noch größer geworden.

Das Prinzip funktioniert so: Im Jahr der Anschaffung wird der zuvor gebildete IAB (bis zu 50 % der Kosten) dem Gewinn wieder hinzugerechnet. Gleichzeitig beginnen Sie aber mit der regulären Abschreibung des Wirtschaftsguts. Zusätzlich zu dieser normalen Abschreibung können Sie die Sonder-AfA in Anspruch nehmen. Durch das Wachstumschancengesetz wurde diese Rate für Investitionen nach dem 31.12.2023 auf bis zu 40 % der (um den IAB geminderten) Anschaffungskosten erhöht, wie das Wachstumschancengesetz festlegt. Früher lag dieser Satz bei nur 20 %.

Ein Rechenbeispiel: 1. Investition: 100.000 € 2. IAB (Jahr 0): 50.000 € (50 %) werden vom Gewinn abgezogen. 3. Anschaffung (Jahr 1): Die Basis für die Abschreibung beträgt 100.000 €. Der IAB von 50.000 € wird dem Gewinn hinzugerechnet. 4. Sonder-AfA (Jahr 1): Sie können 40 % von 100.000 €, also 40.000 €, zusätzlich abschreiben. 5. Reguläre AfA (Jahr 1): Angenommen, die Nutzungsdauer beträgt 10 Jahre (10 % AfA). Von den verbleibenden 60.000 € (100.000 – 40.000) schreiben Sie 10 %, also 6.000 €, regulär ab.

Im Anschaffungsjahr können Sie also insgesamt 46.000 € (40.000 € Sonder-AfA + 6.000 € reguläre AfA) gewinnmindernd ansetzen. Rechnet man den Effekt des IAB aus dem Vorjahr mit ein, haben Sie einen Großteil der Investition steuerlich bereits geltend gemacht, bevor sie überhaupt nennenswert genutzt wurde.

Die folgende Tabelle zeigt den drastischen Unterschied im Abschreibungsverlauf mit und ohne die Nutzung dieser kombinierten Strategie.

Abschreibungsverlauf: Mit vs. ohne IAB & Sonder-AfA
Jahr Ohne IAB Mit IAB + Sonder-AfA Differenz
Jahr 0 (IAB-Bildung) 0% 50% +50%
Jahr 1 (Anschaffung) 10% 40% Sonder + 6% regulär* +36%
Jahr 2-5 je 10% je 6%* -4%

*Annahmen: 10 Jahre Nutzungsdauer; die reguläre AfA wird auf die um die Sonder-AfA geminderten Kosten berechnet.

Wie Sie 20 % Sonderabschreibung nutzen, ohne Liquidität abfließen zu lassen

Auch wenn der Titel dieses Abschnitts von 20 % spricht, ist es wichtig zu wissen, dass die Sonderabschreibung durch das Wachstumschancengesetz kürzlich auf bis zu 40 % angehoben wurde. Das Prinzip bleibt jedoch dasselbe und ist ein entscheidender Punkt für Ihr Liquiditätsmanagement: Die Sonder-AfA ist ein reines Buchungsinstrument. Im Gegensatz zu einer echten Ausgabe fließt hierbei kein Geld aus Ihrem Unternehmen ab.

Wenn Sie eine Maschine kaufen, ist der Kaufpreis ein realer Liquiditätsabfluss. Die Abschreibung, egal ob regulär oder sonder-, ist hingegen nur die buchhalterische Verteilung dieser Anschaffungskosten über die Nutzungsdauer. Sie mindert Ihren zu versteuernden Gewinn, ohne Ihren Kontostand im Moment der Buchung zu belasten. Dies ist ein entscheidender Unterschied. Während der IAB Ihnen im Vorfeld Liquidität verschafft, hilft die Sonder-AfA, den Gewinn im Jahr der Anschaffung (und den Folgejahren) niedrig zu halten, was wiederum die Steuervorauszahlungen für die Zukunft senkt.

Dieses Konzept wird besonders deutlich, wenn die Investition selbst über Leasing oder einen Kredit finanziert wird. In diesem Fall haben Sie im Anschaffungsjahr nur eine geringe oder gar keine Kapitalbindung, können aber trotzdem die volle Sonder-AfA zur Gewinnminderung nutzen. Dies ist eine sehr elegante Methode, die Steuerlast zu senken, ohne die eigene Liquidität anzugreifen. Wie Steuerberater Benedikt Rohlmann treffend formuliert:

Die Sonder-AfA als reines Buchungsinstrument stellt keinen Geldabfluss dar, sondern mindert den zu versteuernden Gewinn.

– Steuerberater Benedikt Rohlmann, Blog Rohlmann StB

Das Verständnis dieses Mechanismus ist der Schlüssel, um die Steuerplanung proaktiv zu gestalten. Sie nutzen einen buchhalterischen Kniff, um reale Steuerzahlungen zu reduzieren und somit mehr freies Kapital für den operativen Betrieb oder weitere Investitionen zur Verfügung zu haben.

Wann Sie Rücklagen für Maschinenersatz bilden müssen, um kreditwürdig zu bleiben

Der Investitionsabzugsbetrag ist ein zweischneidiges Schwert, wenn es um Ihre Beziehung zur Bank geht. Während Sie steuerlich einen Vorteil genießen, kann die Bildung eines IAB in Ihrer Bilanz zu Irritationen führen. Für einen externen Betrachter wie einen Kreditanalysten sieht es so aus, als ob Ihr Eigenkapital sinkt, da der IAB passiviert wird und den ausgewiesenen Gewinn mindert. Dies kann Ihr Bankenrating verschlechtern und Ihre Kreditwürdigkeit gefährden.

Das Problem ist das „Kreditwürdigkeits-Dilemma“: Sie senken Ihre Steuerlast, aber potenziell auch das Vertrauen Ihrer Hausbank. Laut Analysen von Kreditinstituten kann die alleinige Bildung eines IAB ohne weitere Maßnahmen zu einer Verschlechterung des Ratings um bis zu zwei Stufen führen. Um dies zu verhindern, ist eine transparente Kommunikation mit Ihrer Bank entscheidend. Erklären Sie proaktiv, dass Sie einen IAB für eine konkrete Ersatz- oder Erweiterungsinvestition gebildet haben. Legen Sie einen detaillierten Investitionsplan vor, der die Notwendigkeit und den Zeitplan der Anschaffung untermauert.

Noch wichtiger ist jedoch die Bildung sichtbarer finanzieller Rücklagen parallel zum IAB. Anstatt die eingesparte Steuerliquidität einfach im normalen Cashflow untergehen zu lassen, sollten Sie diese auf ein separates Konto oder eine gesonderte Anlageform überführen. Dies signalisiert der Bank, dass die Mittel für die Investition tatsächlich vorhanden und nicht für den Konsum oder andere Zwecke verplant sind. Als Faustregel gilt, mindestens 20 % der geplanten Investitionssumme als sichtbare Rücklage zu bilden, um die Bilanz optisch zu stärken.

Ohne diese flankierenden Maßnahmen kann der IAB, der eigentlich die Finanzierung erleichtern soll, ironischerweise den Zugang zu Fremdkapital erschweren. Die Pflege Ihrer Kreditwürdigkeit ist genauso wichtig wie die Optimierung Ihrer Steuerlast.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der IAB ist eine Steuerstundung, keine endgültige Ersparnis. Die Besteuerung wird nur in die Zukunft verlagert.
  • Die größte Gefahr ist die „Zinsfalle“: Bei Nichtinvestition drohen Steuernachzahlungen plus 6 % Zinsen pro Jahr.
  • Die Kombination mit der 40 %-Sonder-AfA ermöglicht eine massive Gewinnminderung im Anschaffungsjahr und maximiert den Liquiditätseffekt.

Wie planen Sie Ihre Steuerzahlungen so, dass Sie nie von Nachzahlungen überrascht werden?

Der Investitionsabzugsbetrag ist ein mächtiges, aber auch volatiles Instrument in Ihrer Finanzplanung. Eine erfolgreiche Nutzung erfordert ein System, das Sie vor unliebsamen Überraschungen schützt. Der Schlüssel liegt in einer proaktiven und quartalsweisen Steuer- und Liquiditätsplanung. Verlassen Sie sich nicht darauf, erst am Jahresende Ihre Zahlen zu prüfen.

Führen Sie eine monatliche oder zumindest quartalsweise Gewinnermittlung durch. So haben Sie stets aktuelle Zahlen und können frühzeitig erkennen, ob Ihr Gewinn die 200.000-Euro-Grenze zu überschreiten droht. Wenn Sie im vierten Quartal feststellen, dass ein signifikanter Gewinnüberschuss entsteht, können Sie den IAB gezielt bilden, um diesen zu neutralisieren. Unmittelbar nach der Bildung des IAB in Ihrer Jahressteuererklärung sollten Sie beim Finanzamt einen Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen für das Folgejahr stellen. Andernfalls zahlen Sie weiterhin Vorauszahlungen auf Basis des hohen Gewinns vor IAB-Bildung und Ihr Liquiditätsvorteil verpufft.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist das Vorhalten eines Liquiditätspuffers. Auch bei bester Planung kann es zu unvorhergesehenen Entwicklungen kommen. Die geplante Investition verzögert sich oder wird unwirtschaftlich. Für diesen Fall müssen Sie die Mittel für die drohende Steuernachzahlung plus Zinsen parat haben. Es ist eine eiserne Regel, mindestens die Höhe der ursprünglichen Steuerersparnis als Notfallreserve auf einem separaten Konto zu parken.

Schließlich ist ein verbindlicher Investitionsplan mit klarer Fristenüberwachung unerlässlich. Setzen Sie sich Kalendererinnerungen für die 3-Jahres-Frist. Dokumentieren Sie Ihre Investitionsabsicht fortlaufend (z.B. durch Angebote, Korrespondenz). Ein systematischer Ansatz verwandelt den IAB von einem potenziellen Risiko in eine verlässliche Säule Ihrer Unternehmensfinanzierung und stellt sicher, dass Sie die Kontrolle behalten – und nicht das Finanzamt.

Ein solides Planungssystem ist die Grundlage für den sicheren Umgang mit dem IAB. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Planungsprozesse entsprechend zu gestalten.

Um diese strategischen Vorteile für Ihr Unternehmen zu nutzen und teure Fehler zu vermeiden, ist eine professionelle Analyse Ihrer individuellen Situation unerlässlich. Planen Sie jetzt Ihre Investitionen und Steuerstrategie mit einem Experten, um das volle Potenzial des IAB sicher auszuschöpfen.

Häufige Fragen zum Investitionsabzugsbetrag

Welche Nachweise sind bei gebrauchten Gütern für den IAB erforderlich?

Für gebrauchte Wirtschaftsgüter müssen Sie einen detaillierten Kaufvertrag sowie eine Rechnung vorlegen. Zudem müssen Sie die betriebliche Nutzung von mindestens 90% lückenlos dokumentieren, was bei Fahrzeugen oft ein Fahrtenbuch erfordert.

Gibt es Einschränkungen bei der Nutzungsdauer für geförderte Wirtschaftsgüter?

Ja, das angeschaffte Wirtschaftsgut muss zwingend bis zum Ende des auf die Anschaffung oder Herstellung folgenden Wirtschaftsjahres in einer inländischen Betriebsstätte Ihres Betriebs verbleiben. Ein vorzeitiger Verkauf führt zur rückwirkenden Auflösung des IAB.

Geschrieben von Markus Dr. Markus Ebersbach, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater mit über 20 Jahren Erfahrung in der Beratung deutscher mittelständischer Unternehmen (KMU). Spezialisiert auf Bilanzanalyse, Liquiditätsmanagement und steuerliche Gestaltungsberatung für GmbHs.