Veröffentlicht am März 15, 2024

Die Führung der Generation Z scheitert nicht am Unwillen junger Talente, sondern an veralteten autoritären Führungsmodellen. Der Erfolg liegt in einem radikalen Umdenken Ihrer eigenen Rolle.

  • Kontrolle durch Vertrauen ersetzen: Mikromanagement zerstört die von der Gen Z geforderte Autonomie und psychologische Sicherheit.
  • Von Anweisung zu Inspiration wechseln: Statt Aufgaben vorzugeben, schaffen Sie als „Enabler“ den Rahmen, in dem Ihr Team selbst die besten Lösungen findet.

Empfehlung: Beginnen Sie nicht damit, Ihre Mitarbeiter zu „reparieren“, sondern analysieren und definieren Sie Ihre eigene Rolle als dienende Führungskraft neu. Das ist der größte Hebel für Motivation und Bindung.

Sie sind eine erfahrene Führungskraft. Sie haben über Jahre gelernt, wie man Teams aufbaut, Ziele erreicht und Verantwortung trägt. Doch plötzlich scheinen diese bewährten Methoden bei Ihren jüngsten Mitarbeitern, der Generation Z, nicht mehr zu greifen. Sie fordern Flexibilität, hinterfragen Anweisungen und sprechen von „Purpose“, während Sie versuchen, die Quartalsziele zu erreichen. Man rät Ihnen, mehr Feedback zu geben, flexibler zu sein und eine offene Kultur zu pflegen. Doch oft fühlen sich diese Ratschläge wie oberflächliche Pflaster auf einer tieferen Wunde an.

In meinen Coachings mit Führungskräften hier in Berlin höre ich diese Frustration täglich. Die gute Nachricht ist: Das Problem sind nicht Ihre jungen Mitarbeiter. Das Problem ist der überholte Werkzeugkasten, den viele von uns noch verwenden. Was wäre, wenn die eigentliche Herausforderung nicht darin besteht, die Gen Z zu verstehen, sondern die eigene, auf Autorität und Kontrolle basierende Führungsrolle fundamental neu zu denken? Wenn der Schlüssel nicht in neuen Methoden, sondern in einem tiefgreifenden Rollen-Shift von der Kontrollinstanz zum Befähiger liegt?

Dieser Artikel ist keine weitere Liste mit „5 Tipps für die Gen Z“. Er ist eine Anleitung für Ihren persönlichen Wandel. Wir werden gemeinsam die Denkfehler und Gewohnheiten analysieren, die heute nicht mehr funktionieren, und sie durch Prinzipien ersetzen, die auf Vertrauen, Inspiration und Ergebnisorientierung basieren. Sie werden lernen, wie Sie nicht nur führen, sondern eine Umgebung schaffen, in der die besten Talente wachsen und bleiben wollen.

Der folgende Artikel führt Sie durch die zentralen Konfliktfelder und zeigt Ihnen konkrete, in Deutschland erprobte Lösungsansätze auf. Der Sommaire gibt Ihnen einen Überblick über die Themen, die wir behandeln werden.

Warum Angstkultur Ihre besten Mitarbeiter zur Kündigung treibt

Der alte Leitsatz „Fehler werden bestraft“ ist der größte Feind der Mitarbeiterbindung in der modernen Arbeitswelt. Eine Kultur, die auf Angst vor Sanktionen basiert, erzeugt bestenfalls Dienst nach Vorschrift und schlimmstenfalls eine hohe Fluktuation. Gerade die Generation Z, die in einer Welt unendlicher Möglichkeiten aufgewachsen ist, hat eine geringe Toleranz für toxische Arbeitsumgebungen. Sie warten nicht auf die Rente; sie gehen, wenn die Kultur nicht stimmt. Die Konsequenzen sind fatal: Know-how geht verloren, die Moral sinkt und die Kosten für die Neubesetzung explodieren. Tatsächlich zeigte eine frühere Befragung zum Führungsstil für die Gen Z, dass bereits 2018 eine hohe Wechselbereitschaft bestand.

Der Gegenentwurf ist eine Kultur der psychologischen Sicherheit. Das bedeutet nicht, dass Fehler gefeiert werden, sondern dass offen über sie gesprochen werden kann, um daraus zu lernen. Wenn ein Mitarbeiter einen Fehler zugibt, ohne Angst vor öffentlicher Bloßstellung oder Karrierenachteilen haben zu müssen, wird er proaktiv zur Problemlösung beitragen. Dies fördert nicht nur die Innovation, sondern schafft auch ein starkes Gefühl der Zugehörigkeit und des Vertrauens. Für Sie als Führungskraft bedeutet das einen Wandel: Sie sind nicht mehr der Richter, der Urteile fällt, sondern der Coach, der den Lernprozess moderiert.

Die Etablierung einer gesunden Fehlerkultur ist kein Zufall, sondern das Ergebnis bewusster strategischer Entscheidungen. Es geht darum, konkrete Formate und Prozesse zu implementieren, die Vertrauen schaffen und den Fokus von der Schuldfrage auf den Erkenntnisgewinn lenken. Hier sind einige praxiserprobte Ansätze, die in deutschen Unternehmen bereits erfolgreich umgesetzt werden:

  • Fuck-up-Veranstaltungen: In diesen Meetings werden misslungene Projekte bewusst und detailliert analysiert, um die Ursachen zu verstehen und für die Zukunft zu lernen.
  • Fehleranalyse ohne Sanktionen: Der Fokus liegt klar auf dem Lerneffekt. Es geht nicht darum, einen Schuldigen zu finden, sondern zu verstehen, was systemisch verbessert werden kann.
  • Reverse-Mentoring: Jüngere Mitarbeiter der Gen Z coachen erfahrene Kollegen, beispielsweise bei der Digitalisierung, während sie selbst von deren langjähriger Erfahrung profitieren.
  • Generationen-Workshops: Kurze, interaktive Formate fördern das gegenseitige Verständnis und bauen Vorurteile zwischen den Generationen ab.

Wie steuern Sie Remote-Teams effizient, ohne zum Mikromanager zu werden?

Die Möglichkeit, remote zu arbeiten, ist für die Generation Z keine nette Geste mehr, sondern eine Grundvoraussetzung. Doch für viele Führungskräfte, die es gewohnt sind, ihre Teams physisch um sich zu haben, entsteht daraus eine neue Angst: der Kontrollverlust. Diese Angst führt oft zu einem fatalen Fehler – dem Mikromanagement. Ständige Check-in-Calls, die Forderung nach sofortiger Antwort auf E-Mails oder die Überwachung von Online-Statusanzeigen sind keine Führungsinstrumente, sondern Ausdruck von Misstrauen. Sie zerstören genau die Autonomie und Flexibilität, die junge Talente suchen, und untergraben die geforderte Work-Life-Balance, wie eine aktuelle Deloitte-Studie mit 800 deutschen Teilnehmern unterstreicht.

Der Schlüssel zur erfolgreichen Remote-Führung liegt in der Abkehr von der Anwesenheitskontrolle hin zur Ergebnisorientierung. Vertrauen Sie darauf, dass Ihre Mitarbeiter ihre Aufgaben erledigen, und messen Sie sie an den Ergebnissen, nicht an den Stunden, die sie online sind. Das erfordert klare Zielvereinbarungen und regelmäßige, aber asynchrone Updates. Ein wöchentliches Sprint-Planning und ein kurzes schriftliches Update am Ende der Woche können effektiver sein als tägliche Kontrollanrufe. Dies gibt Ihrem Team die Freiheit, seine Arbeit so zu strukturieren, wie es am produktivsten ist, und stärkt das Gefühl von Eigenverantwortung und Wertschätzung.

Führungskraft kommuniziert vertrauensvoll per Videocall mit verteiltem Team

In Deutschland kommt eine weitere, wichtige Ebene hinzu: die Mitbestimmung. Führungskräfte können die Regeln für mobiles Arbeiten nicht im Alleingang festlegen. Die Einbindung des Betriebsrats ist entscheidend, um rechtssichere und von allen getragene Lösungen zu schaffen.

Fallbeispiel: Betriebsvereinbarungen für mobiles Arbeiten in Deutschland

Deutsche Unternehmen, die Remote Work einführen, müssen die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats beachten. Erfolgreiche Führungskräfte entwickeln gemeinsam mit dem Betriebsrat klare Richtlinien, die zwischen Telearbeit und mobilem Arbeiten unterscheiden. Statt auf Verhaltenskontrolle zu setzen, werden DSGVO-konforme KPIs definiert, die sich ausschließlich auf Arbeitsergebnisse konzentrieren. Dieser partizipative Ansatz schafft nicht nur rechtliche Klarheit, sondern auch ein hohes Maß an Akzeptanz und Vertrauen im gesamten Unternehmen.

Anweisung oder Inspiration: Welcher Führungsstil steigert die Produktivität heute?

Früher basierte die Autorität einer Führungskraft auf ihrem Wissensvorsprung. Der „Meister“ wusste alles am besten und gab klare Anweisungen, die das Team auszuführen hatte. Dieses Modell ist heute überholt. In einer komplexen und sich schnell verändernden Arbeitswelt kann eine einzelne Person gar nicht mehr alle Antworten haben. Die Generation Z erwartet daher keinen allwissenden Vorgesetzten, sondern einen „Enabler“ – jemanden, der Hindernisse aus dem Weg räumt, Ressourcen bereitstellt und das Team befähigt, selbst die besten Lösungen zu finden. Ihr Wert als Führungskraft bemisst sich nicht mehr an Ihrem Fachwissen, sondern an Ihrer Fähigkeit, die kollektive Intelligenz Ihres Teams zu aktivieren.

Dieser Rollen-Shift vom Anweiser zum Inspirator ist der Kern moderner Führung. Statt zu sagen: „Machen Sie es so“, fragen Sie: „Was brauchen Sie, um dieses Problem zu lösen?“ Sie führen nicht mehr von oben herab, sondern auf Augenhöhe. Ihre Hauptaufgabe ist es, eine Vision zu vermitteln und den Rahmen zu schaffen, in dem Ihr Team autonom und kreativ arbeiten kann. Wie die Cegos-Integrata Studie betont:

Führungskräfte sollten bewusster und inspirierender handeln und dabei nachhaltige und sozial verantwortliche Initiativen fördern. Weniger Kontrolle und mehr Autonomie – die Generation Z schätzt die aktive Beteiligung an anspruchsvollen und innovativen Projekten.

– Cegos-Integrata Studie, Gen Z und Führung: Warum sie nicht leiten will

Diese Gegenüberstellung verdeutlicht den fundamentalen Wandel in den Erwartungen an eine moderne Führungskraft. Es geht nicht um eine graduelle Anpassung, sondern um einen Paradigmenwechsel.

Traditioneller Meister vs. Moderner Enabler
Traditioneller ‚Meister‘ Moderner ‚Enabler‘
Fachautorität – weiß alles am besten Beseitigt Hindernisse für das Team
Hierarchische Führung Führung auf Augenhöhe
Klare Anweisungen von oben Partizipativer Führungsstil
Kontrolle und Überwachung Vertrauen und Empowerment
Bewertung und Kritik Coaching und Feedback-Loops

Der Führungsfehler, der Ihre Leistungsträger in den Burnout treibt

Es gibt einen weit verbreiteten Irrglauben: Um junge, ehrgeizige Mitarbeiter zu fördern, müsse man sie ständig mit neuen Herausforderungen überhäufen. Doch ohne die richtigen Rahmenbedingungen führt dieser Ansatz direkt in die Überforderung und den Burnout. Die Generation Z ist leistungsbereit, aber nicht um den Preis ihrer mentalen Gesundheit. Sie streben nicht nach einer Führungsposition, wenn diese mit permanentem Stress und mangelnder Wertschätzung verbunden ist. Eine Studie von Robert Walters Plc aus 2024 zeigt, dass 69 % der Gen Z das mittlere Management mit zu viel Stress, zu wenig Wertschätzung und unzureichender Bezahlung assoziieren.

Der größte Fehler ist es, Verantwortung ohne Autonomie zu delegieren. Wenn Sie einem Mitarbeiter ein Projekt übertragen, ihm aber gleichzeitig enge Vorgaben machen, jeden Schritt kontrollieren und ihm die Entscheidungsfreiheit nehmen, schaffen Sie eine hochgradig frustrierende Situation. Der Mitarbeiter trägt den Druck des Ergebnisses, hat aber nicht die Macht, den Weg dorthin selbst zu gestalten. Dies erzeugt ein Gefühl der Hilflosigkeit, das ein wesentlicher Treiber für Burnout ist. Echte Förderung bedeutet, überschaubare, aber eigenverantwortliche Aufgabenpakete zu schnüren und dem Mitarbeiter das Vertrauen zu schenken, diese selbstständig zu bewältigen.

Prävention ist hier der entscheidende Faktor. Es geht darum, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der Leistung nachhaltig erbracht werden kann, ohne die Mitarbeiter auszubrennen. Klare Strukturen, planbare Arbeitszeiten und ein aktives Gesundheitsmanagement sind keine „Wohlfühl-Extras“, sondern knallharte betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten, um Leistungsträger langfristig zu halten.

Ihr Plan zur Burnout-Prävention bei der Gen Z

  1. Mental Health Days etablieren: Führen Sie bezahlte freie Tage für die mentale Erholung ein und kommunizieren Sie diese aktiv als wichtigen Teil der Unternehmenskultur.
  2. Angebote nutzen: Machen Sie die präventiven Angebote der Berufsgenossenschaften und Krankenkassen zur Stressbewältigung und Gesundheitsförderung im Team bekannt.
  3. Aufgabenpakete schnüren: Definieren Sie klare, überschaubare Aufgaben mit realistischen Deadlines, anstatt Mitarbeiter mit riesigen, unstrukturierten Projekten zu überfordern.
  4. Balance schaffen: Achten Sie auf ein gesundes Gleichgewicht zwischen dem Fordern von Leistung und dem Fördern von Entwicklung und Wohlbefinden.
  5. Freizeitausgleich gewährleisten: Sorgen Sie für einen verlässlichen und zeitnahen Ausgleich für geleistete Überstunden. Arbeitszeit ist Lebenszeit.

Wann Kritikgespräche führen: Sofort oder im Jahresgespräch?

Das jährliche Mitarbeitergespräch als alleiniges Instrument für Feedback ist tot. Die Generation Z ist an die sofortige Rückmeldung digitaler Plattformen gewöhnt und erwartet diese auch im Job. Monate altes, aufgestautes Feedback ist für sie nicht nur nutzlos, sondern demotivierend. Es führt zu einem fundamentalen Dilemma, besonders im deutschen Kontext, wie die REFLECT Beratung treffend feststellt. Die traditionell direkte, oft als schroff empfundene deutsche Feedbackkultur trifft auf den Wunsch nach empathischem, kontinuierlichem Coaching.

Das Dilemma der deutschen Direktheit: Die traditionell direkte, oft als schroff empfundene deutsche Feedbackkultur trifft auf den Wunsch der Gen Z nach empathischem, regelmäßigem Coaching.

– REFLECT Beratung, Kulturwandel im Unternehmen – Generation Z

Die Lösung liegt in der Etablierung einer agilen Feedback-Kultur. Anstatt Kritik zu sammeln, sollten Sie zeitnahes, konstruktives und verhaltensbezogenes Feedback geben – idealerweise direkt nach der jeweiligen Situation. Sprechen Sie nicht über die Person („Sie sind unzuverlässig“), sondern über die konkrete Beobachtung und deren Auswirkung („Mir ist aufgefallen, dass das Reporting gestern fehlte. Das hat dazu geführt, dass wir die Präsentation verschieben mussten. Was ist passiert?“). Diese Art von Feedback wird nicht als Angriff, sondern als Chance zur Verbesserung wahrgenommen. Es verwandelt das gefürchtete Kritikgespräch in einen produktiven Coaching-Moment.

Konstruktives Feedbackgespräch zwischen Führungskraft und Gen-Z-Mitarbeiter auf Augenhöhe

Viele erfolgreiche deutsche Technologieunternehmen haben das starre Jahresgespräch bereits durch agilere Methoden ersetzt, die eine kontinuierliche Weiterentwicklung fördern.

Fallbeispiel: Agile Feedback-Methoden in deutschen Tech-Unternehmen

Statt auf ein einziges Jahresgespräch zu setzen, haben sich in der deutschen Tech-Branche wöchentliche 1-on-1-Gespräche und regelmäßige Peer-Feedback-Sessions etabliert. Diese kurzen, fokussierten Formate ermöglichen eine schnelle Kurskorrektur und kontinuierliches Lernen. Wichtig dabei: Trotz der Spontaneität wird bei wiederholten Problemen eine saubere Dokumentation geführt. Dies stellt sicher, dass bei Bedarf eine formale Grundlage für eventuelle arbeitsrechtliche Schritte wie eine Abmahnung vorhanden ist, ohne die offene und vertrauensvolle Feedback-Kultur im Alltag zu belasten.

Warum Stechuhr-Mentalität im Homeoffice scheitert

Die starre Kontrolle der Arbeitszeit ist ein Relikt aus dem Industriezeitalter, das in der modernen, flexiblen Arbeitswelt keinen Platz mehr hat. Der Versuch, die Stechuhr-Mentalität auf das Homeoffice zu übertragen – etwa durch Überwachungssoftware oder die Erwartung ständiger Erreichbarkeit – ist nicht nur ineffektiv, sondern auch zutiefst demotivierend. Er signalisiert ein grundlegendes Misstrauen und ignoriert die Tatsache, dass kreative und wissensbasierte Arbeit nicht in festen 9-to-5-Blöcken stattfindet. Die Produktivität hängt nicht von der abgesessenen Zeit ab, sondern von der Qualität der Ergebnisse. Wer auf Anwesenheit pocht, bekommt Anwesenheit. Wer auf Ergebnisse pocht, bekommt Ergebnisse.

Diese Erkenntnis ist keine ideologische Spinnerei, sondern eine demografische und wirtschaftliche Notwendigkeit. Laut Statistischem Bundesamt werden bis 2036 rund 13 Millionen Babyboomer den deutschen Arbeitsmarkt verlassen, während nur etwa 8 Millionen junge Menschen der Gen Z nachrücken. In diesem verschärften Wettbewerb um Talente können es sich Unternehmen nicht mehr leisten, an veralteten Kontrollmechanismen festzuhalten. Flexible Arbeitsmodelle, die auf Vertrauen und Ergebnisorientierung basieren, sind kein „Nice-to-have“, sondern ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, um die besten Köpfe zu gewinnen und zu halten.

Die Umstellung von der Zeit- zur Ergebnisorientierung erfordert einen klaren strategischen Plan. Es geht darum, die gesetzlichen Vorgaben zur Arbeitszeiterfassung (EuGH-Urteil) mit einer Kultur des Vertrauens in Einklang zu bringen. Moderne digitale Lösungen können die Zeiterfassung im Hintergrund gesetzeskonform abbilden, ohne dass sie zum Kontrollinstrument wird. Der Fokus in den Team-Meetings und Zielvereinbarungen verschiebt sich dann von der Frage „Warst du acht Stunden online?“ zur Frage „Haben wir das vereinbarte Ziel erreicht?“. Dies erfordert Mut zum Loslassen, setzt aber enorme Produktivitätspotenziale frei.

Wofür arbeiten wir? Wie Sie Visionen vermitteln, die über den Umsatz hinausgehen

Für frühere Generationen war ein sicherer Job mit gutem Gehalt oft Motivation genug. Die Generation Z stellt eine tiefere Frage: „Warum?“ Sie will nicht nur wissen, *was* sie tun soll, sondern *wofür* ihre Arbeit gut ist. Sie sucht nach einem Sinn (Purpose), der über reine Gewinnmaximierung hinausgeht. Wie die Zenjob Gen-Z-Studie 2022 feststellt, strebt diese Generation nach Selbstverwirklichung und will eigenverantwortlich an Aufgaben arbeiten, die einen positiven Beitrag leisten. Ein Job ist für sie nicht nur ein Mittel zum Geldverdienen, sondern ein Teil ihrer Identität.

Als Führungskraft sind Sie der entscheidende Übersetzer zwischen den übergeordneten Unternehmenszielen und der täglichen Arbeit Ihres Teams. Es reicht nicht, das Firmenleitbild einmal im Jahr zu zitieren. Ihre Aufgabe ist es, eine „Sinn-Architektur“ zu bauen. Das bedeutet, bei jeder Aufgabe, jedem Projekt und jedem Meeting den Bezug zum großen Ganzen herzustellen. Erklären Sie, wie die Optimierung einer kleinen Codezeile zur Verbesserung des Kundenerlebnisses beiträgt oder wie die sorgfältige Analyse von Daten hilft, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen. Machen Sie den Impact greifbar. Betonen Sie den lokalen Nutzen statt abstrakter globaler Phrasen – wie verbessert die Arbeit konkret das Leben der Menschen in der eigenen Region?

Transparenz ist dabei ein zentraler Baustein. Gesetze wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) in Deutschland sind keine lästige Pflicht, sondern eine Chance, ethisches Handeln konkret zu beweisen. Auch die Einführung transparenter Gehaltsbänder kann das Vertrauen stärken und zeigen, dass Fairness ein gelebter Wert ist. Indem Sie Hierarchien abbauen und agile Methoden fördern, geben Sie Ihren Mitarbeitern zudem mehr Raum, sich einzubringen und die Unternehmensvision aktiv mitzugestalten. Sie werden von reinen Ausführenden zu Mitgestaltern des Sinns.

Das Wichtigste in Kürze

  • Angst und Kontrolle sind Gift für die Mitarbeiterbindung. Eine Kultur der psychologischen Sicherheit ist ein handfester Wettbewerbsvorteil.
  • Die Zukunft der Arbeit ist ergebnisorientiert. Messen Sie den Output Ihres Teams, nicht die online verbrachte Zeit.
  • Ihr größter Hebel ist der Wandel Ihrer eigenen Rolle: Werden Sie vom Kontrolleur und Anweiser zum dienenden Befähiger (Servant Leader).

Dienen statt Befehlen: Wie Servant Leadership Ihr Team produktiver macht

Wir haben über Fehlerkultur, Remote-Führung, Feedback und Sinnhaftigkeit gesprochen. All diese Aspekte lassen sich in einem übergeordneten Führungsmodell zusammenfassen: Servant Leadership. Dieses Konzept stellt die klassische Führungspyramide auf den Kopf. Anstatt dass das Team der Führungskraft dient, dient die Führungskraft dem Team. Ihre Hauptaufgabe ist es nicht, zu befehlen, sondern zu fragen: „Was braucht mein Team, um erfolgreich zu sein, und wie kann ich dabei helfen?“ Sie werden zum Dienstleister für Ihr eigenes Team, dessen Ziel es ist, Hindernisse zu beseitigen und die Rahmenbedingungen für Spitzenleistungen zu schaffen.

Dieses Modell mag für traditionell geprägte Führungskräfte radikal klingen, aber es ist die logische Konsequenz aus den veränderten Bedürfnissen der neuen Arbeitswelt. Es ist die wirksamste Antwort auf den Wunsch der Gen Z nach Autonomie, Entwicklung und Wertschätzung. Wenn Mitarbeiter spüren, dass ihre Führungskraft sich aufrichtig für ihren Erfolg einsetzt, entsteht ein hohes Maß an Vertrauen und Engagement. Die Motivation kommt dann nicht mehr von außen durch Druck, sondern von innen durch den Wunsch, zum gemeinsamen Erfolg beizutragen. Die Notwendigkeit dieses Wandels wird durch die Forschung untermauert: Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich nur 30 % der 14- bis 29-Jährigen durch ihre aktuelle Führungskraft motiviert fühlen.

Fallbeispiel: Servant Leadership im deutschen dualen Ausbildungssystem

Im Kontext der deutschen dualen Ausbildung zeigt sich die Kraft des Servant Leadership besonders deutlich. Der traditionelle „Ausbilder“ transformiert sich zum Coach und Mentor. Statt nur Aufgaben zuzuweisen, stellt er die Bedürfnisse seiner Auszubildenden in den Vordergrund und arbeitet aktiv daran, sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Dieser Ansatz, der auf Empathie, Vertrauen und Offenheit basiert, führt nachweislich zu einer höheren Zufriedenheit und Produktivität bei den Azubis der Gen Z und sichert so den Fachkräftenachwuchs.

Dienende Führung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern die höchste Form von Stärke in der modernen Führung. Es erfordert Selbstreflexion, Empathie und den Mut, die eigene Autorität loszulassen, um die kollektive Stärke des Teams freizusetzen. Es ist der definitive Schritt weg vom Command-and-Control hin zu einer nachhaltig produktiven und menschlichen Arbeitskultur.

Beginnen Sie noch heute damit, diese Prinzipien in die Praxis umzusetzen. Der erste Schritt ist nicht ein großes Meeting, sondern eine kleine Frage an einen Ihrer Mitarbeiter: „Was kann ich heute tun, um dir deine Arbeit zu erleichtern?“ Diese Frage kann alles verändern.

Geschrieben von Sabine Sabine Kroll, Diplom-Psychologin und HR-Strategin mit Schwerpunkt auf New Work, Führungskultur und Organisationsentwicklung. 12 Jahre Erfahrung als HR-Director in wachstumsstarken Unternehmen.