
Der größte Fehler bei der Digitalisierung ist, Ihre einzigartige Prozess-DNA zu ignorieren und zu glauben, Technologie allein sei die Lösung.
- Optimieren Sie zuerst Ihre bewährten analogen Prozesse, bevor Sie schlechte Abläufe teuer digitalisieren.
- Setzen Sie auf spezialisierte Software, die Ihre Stärken gezielt amplifiziert, statt auf monolithische Systeme, die Sie verbiegen.
Empfehlung: Beginnen Sie mit einem schmerzvollen, aber überschaubaren Prozess als „Leuchtturm-Projekt“, um schnelle Erfolge zu erzielen und Akzeptanz im Team zu schaffen.
Ihre Auftragsbücher sind voll, Ihre Kunden schätzen Ihre Arbeit, und doch spüren Sie es: Der Boden unter Ihrem traditionellen Geschäftsmodell bebt. Überall hören Sie die Schlagworte: Digitalisierung, KI, Cloud. Der Druck, „etwas tun zu müssen“, wächst täglich. Sie haben Angst, den Anschluss zu verlieren, aber eine noch größere Angst lähmt Sie: die Furcht davor, auf dem Weg in die digitale Welt die Seele Ihres Unternehmens zu verkaufen – jene einzigartige Kernkompetenz, die Sie über Jahrzehnte aufgebaut haben.
Die üblichen Ratschläge klingen oft nach einer kompletten Selbstaufgabe. Man rät Ihnen, auf disruptive Modelle zu setzen, agile Methoden einzuführen und in teure All-in-one-Software zu investieren. Doch was, wenn dieser Weg für Ihr etabliertes Unternehmen nicht nur falsch, sondern gefährlich ist? Was wäre, wenn der Schlüssel nicht darin liegt, alles neu zu erfinden, sondern das, was Sie seit Jahrzehnten erfolgreich macht, mit digitalen Werkzeugen gezielt zu verstärken? Wenn Technologie nicht das Ziel, sondern der schärfste Verstärker Ihrer vorhandenen Kernkompetenz ist?
Dieser Artikel ist kein weiterer Aufruf zur blinden Revolution. Er ist ein strategischer Leitfaden für Inhaber wie Sie, die ihr Lebenswerk nicht auslöschen, sondern für die nächste Generation sichern wollen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Digitalisierung als Werkzeug nutzen, um Ihre Stärken zu skalieren, Ihre Effizienz zu steigern und Ihre Marktposition zu festigen. Wir navigieren Sie durch die entscheidenden Fragen – von rechtlichen Grundlagen über die richtige Software-Auswahl bis zur größten Hürde von allen: der Veränderung in den Köpfen Ihrer Mitarbeiter.
Um diese komplexe Reise zu strukturieren, führt Sie dieser Artikel durch die acht entscheidenden Handlungsfelder. Jede Etappe beleuchtet eine kritische Facette der digitalen Transformation und liefert Ihnen konkrete, praxiserprobte Ansätze für den deutschen Mittelstand.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Wegweiser zur gezielten Digitalisierung
- Erst aufräumen, dann digitalisieren: Warum Sie schlechte Prozesse nicht automatisieren dürfen
- Warum Papierbelege Ihre Monatsabschlüsse unnötig um 5 Tage verzögern
- Schluss mit Aktenordnern: Die technischen und rechtlichen Schritte zum digitalen Büro
- SAP oder Nischenlösung: Wie Sie die Software finden, die zu Ihren Prozessen passt
- Schnittstellen-Chaos: Warum nicht integrierte Tools mehr Arbeit machen als Papier
- RPA (Robotic Process Automation): Wie Software-Roboter Ihre Buchhaltung übernehmen
- Warum Technologie einfach ist, aber die Änderung der Köpfe schwer
- Cloud oder On-Premise: Was ist für deutsche Mittelständler sicherer und günstiger?
Erst aufräumen, dann digitalisieren: Warum Sie schlechte Prozesse nicht automatisieren dürfen
Der verlockendste und zugleich fatalste Fehler der Digitalisierung ist der Glaube, ein schlechter, analoger Prozess werde durch Software automatisch zu einem guten, digitalen Prozess. Das Gegenteil ist der Fall: Sie erhalten einen teuren, schnellen, schlechten Prozess. Bevor Sie auch nur eine Zeile Code implementieren oder eine Lizenz kaufen, müssen Sie Ihre bestehenden Abläufe schonungslos analysieren. Das Prinzip lautet: Optimieren vor Automatisieren. Der erste Schritt ist also nicht technologisch, sondern zutiefst analytisch und menschlich. Es geht darum, die „Prozess-DNA“ Ihres Unternehmens zu verstehen – was funktioniert wirklich gut und wo liegen die versteckten Ineffizienzen?
Erfolgreiche deutsche Produktionsunternehmen nutzen hierfür Methoden wie die Wertstromanalyse (Value Stream Mapping). Dabei wird ein kompletter Prozess, zum Beispiel von der Kundenanfrage bis zur Auslieferung, visuell dargestellt. Das Ziel ist es, Verschwendung aufzudecken: unnötige Wartezeiten, doppelte Dateneingaben, umständliche Freigabeschleifen. Oft hilft hier die 80/20-Regel: Identifizieren Sie die 20 % der Prozessschritte, die 80 % der Probleme, Verzögerungen oder Kosten verursachen. Erst wenn dieser „Ist-Zustand“ bereinigt und ein schlanker „Soll-Zustand“ auf dem Papier definiert ist, sollten Sie nach technologischen Lösungen suchen, die genau diesen optimierten Prozess unterstützen.
Die Digitalisierung eines ineffizienten Ablaufs führt nur zu digitalisierter Frustration. Ein sauber definierter Prozess hingegen wird durch die richtige Technologie zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Die folgende Gegenüberstellung verdeutlicht den Unterschied im Ansatz.
| Phase | Traditioneller Ansatz | Optimierter Digital-Ansatz |
|---|---|---|
| Analyse | Sofort digitalisieren | Wertstromanalyse durchführen |
| Prozessdesign | 1:1 Übertragung | Neugestaltung & Vereinfachung |
| Quick Wins | Keine Priorisierung | 20% Prozesse = 80% Impact |
| Ergebnis | Digitalisierte Ineffizienz | Optimierte Digitalprozesse |
Ihr Audit-Plan: Schlechte Prozesse entlarven
- Prozess identifizieren: Wählen Sie einen Prozess, der regelmäßig für Frust sorgt (z. B. Angebotserstellung, Rechnungsfreigabe).
- Team bilden: Holen Sie alle beteiligten Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen an einen Tisch.
- Visualisieren: Zeichnen Sie den Prozessschritt für Schritt auf ein Whiteboard. Nutzen Sie Post-its für jeden einzelnen Schritt.
- Schwachstellen markieren: Markieren Sie Wartezeiten, Medienbrüche (z. B. Ausdrucken und wieder Einscannen), unklare Verantwortlichkeiten und redundante Tätigkeiten.
- Soll-Prozess entwerfen: Gestalten Sie den Prozess neu, indem Sie die markierten Schwachstellen eliminieren. Fragen Sie: „Wie würde der perfekte Ablauf aussehen?“
Warum Papierbelege Ihre Monatsabschlüsse unnötig um 5 Tage verzögern
Ein perfektes Beispiel für einen ineffizienten analogen Prozess ist der Umgang mit Papierbelegen. Jeder kennt das Szenario: Am Monatsende jagen Sie Belegen hinterher, der Steuerberater mahnt und Sie haben keinen aktuellen Überblick über Ihre Liquidität. Die manuelle Erfassung, Prüfung und Verbuchung von Papierrechnungen ist nicht nur zeitraubend, sondern auch eine erhebliche Fehlerquelle. Diese Verzögerung im Informationsfluss hat gravierende Folgen: Sie treffen strategische Entscheidungen auf Basis veralteter Daten. Der Monatsabschluss, der Ihnen in Echtzeit zur Verfügung stehen könnte, wird zur historischen Aufarbeitung.
Die Digitalisierung des Belegmanagements ist oft einer der einfachsten und wirkungsvollsten Einstiegspunkte in die digitale Transformation. Moderne Tools ermöglichen es, Belege per Smartphone-App sofort bei Entstehung zu erfassen und direkt an die Buchhaltung oder den Steuerberater zu übermitteln. Plattformen wie DATEV Unternehmen online schaffen eine direkte, tagesaktuelle Verbindung zwischen Ihnen und Ihrem Berater. Das Ergebnis: Ihre Buchhaltung ist immer auf dem neuesten Stand, Sie haben jederzeit Zugriff auf betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA) und Ihr Steuerberater wandelt sich vom reinen Verbucher zum proaktiven strategischen Partner, der Sie auf Basis aktueller Zahlen beraten kann.
Dieser Wandel ist dringend notwendig. Mit nur 58 von 100 Punkten im Digital-Index 2024 hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. Gerade im Mittelstand schlummern hier enorme Potenziale, um durch einfache Maßnahmen wie die digitale Belegerfassung agiler und wettbewerbsfähiger zu werden. Es geht nicht nur darum, fünf Tage beim Abschluss zu sparen, sondern darum, die Kontrolle über die eigenen Finanzen in Echtzeit zurückzugewinnen.
Schluss mit Aktenordnern: Die technischen und rechtlichen Schritte zum digitalen Büro
Der Abschied vom Papier ist mehr als eine Frage der Effizienz; er ist auch eine rechtliche Notwendigkeit mit klaren Spielregeln. In Deutschland geben die „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ (GoBD) den Rahmen vor. Diese Vorschriften des Finanzministeriums regeln, wie digitale Dokumente so archiviert werden müssen, dass sie bei einer Betriebsprüfung anerkannt werden. Die gute Nachricht: Die Regeln werden praxistauglicher. Die ab dem 1. April 2024 gültige neue GoBD-Fassung erweitert beispielsweise die Möglichkeiten der Datenüberlassung an Prüfer über digitale Plattformen, was den Prozess weiter vereinfacht.
Die zentrale Anforderung der GoBD ist die revisionssichere Archivierung. Das bedeutet, digitale Dokumente müssen vollständig, manipulationssicher, jederzeit verfügbar und maschinell auswertbar sein. Ein einfaches Ablegen von PDFs auf einem Netzlaufwerk genügt diesen Anforderungen nicht. Sie benötigen ein Dokumenten-Management-System (DMS), das die Unveränderbarkeit der Dokumente garantiert. Ein entscheidendes Element hierbei ist die sogenannte Verfahrensdokumentation. Darin beschreiben Sie lückenlos den gesamten Prozess der Digitalisierung in Ihrem Unternehmen: Wer scannt was, wie, wann und wo wird es gespeichert? Diese Dokumentation ist der Beweis gegenüber dem Finanzamt, dass Ihr digitales Archiv den gesetzlichen Anforderungen entspricht.
Die Auswahl der richtigen Software ist dabei entscheidend. Achten Sie auf Zertifizierungen wie das Prüfungsstandard IDW PS 880, das die GoBD-Konformität einer Softwarelösung durch einen Wirtschaftsprüfer bestätigt. Zudem wird mobiles Scannen immer wichtiger: Mitarbeiter können Belege direkt von unterwegs mit dem Smartphone rechtssicher erfassen. Dies beschleunigt nicht nur die Prozesse, sondern stellt auch sicher, dass keine Belege verloren gehen.
SAP oder Nischenlösung: Wie Sie die Software finden, die zu Ihren Prozessen passt
Die Frage nach der richtigen Software gleicht oft der Wahl zwischen einem Allzweck-Bulldozer und einem chirurgischen Präzisionswerkzeug. Große, monolithische ERP-Systeme wie SAP versprechen, alle Unternehmensbereiche in einer einzigen Lösung abzudecken. Für viele mittelständische Unternehmen ist dieser Ansatz jedoch überdimensioniert, teuer und starr. Er zwingt sie, ihre einzigartigen, über Jahre optimierten Prozesse an die Logik der Software anzupassen – und nicht umgekehrt. Hier geht die Kernkompetenz oft verloren.
Der erfolgreichere Weg ist häufig die Konzentration auf spezialisierte „Best-of-Breed“-Lösungen. Statt eines einzigen Systems, das alles mittelmäßig kann, setzen Sie auf eine Kombination von Tools, die jeweils in ihrem Bereich führend sind und Ihre spezifischen Anforderungen perfekt erfüllen. Wie die IHK München berichtet, gehen deutsche Maschinenbau-Unternehmen und Handwerksbetriebe zunehmend Partnerschaften mit spezialisierten Software-Anbietern ein. Diese entwickeln maßgeschneiderte Lösungen, die die Kernkompetenz des Unternehmens nicht ersetzen, sondern digital verstärken. Ein Schreiner kann so beispielsweise einen 3D-Konfigurator nutzen, um mit dem Kunden individuelle Möbel zu entwerfen, während seine Abrechnung über ein separates, angebundenes Finanztool läuft.

Der Schlüssel liegt in der gezielten Auswahl. Fragen Sie sich nicht: „Welche Software deckt alles ab?“, sondern: „Welcher Prozess ist für meine Kernkompetenz am wichtigsten und welches digitale Werkzeug macht genau diesen Prozess besser, schneller oder profitabler?“ Die moderne IT-Architektur basiert auf offenen Schnittstellen (APIs), die es ermöglichen, verschiedene spezialisierte Anwendungen miteinander zu verbinden. So schaffen Sie sich einen flexiblen, digitalen Werkzeugkasten, der mit Ihrem Unternehmen wächst und sich anpasst, anstatt Sie in ein starres Korsett zu zwängen.
Schnittstellen-Chaos: Warum nicht integrierte Tools mehr Arbeit machen als Papier
Die Entscheidung für spezialisierte Software-Tools birgt eine große Chance, aber auch ein erhebliches Risiko: das Schnittstellen-Chaos. Wenn Ihre neue Vertriebs-App nicht mit der Lagerhaltungs-Software spricht und diese wiederum keine Daten an die Buchhaltung weitergibt, haben Sie ein digitales Silo-System geschaffen. Die Mitarbeiter müssen dann Daten manuell von einem Programm in ein anderes übertragen. Im schlimmsten Fall erzeugt diese „digitale“ Insellandschaft mehr manuelle Arbeit, mehr Fehler und mehr Frustration als das alte Papiersystem. Die Fähigkeit zur Integration ist daher zur neuen IT-Kernkompetenz geworden.
Eine aktuelle Studie bestätigt diesen Trend: Für 72% der befragten CIOs ist die Integrationsfähigkeit von APIs und Cloud-Lösungen heute eine der wichtigsten Kompetenzen der IT. Moderne Software wird nicht mehr als geschlossenes System, sondern als offene Plattform entwickelt. Über standardisierte Programmierschnittstellen (APIs) können Daten sicher und automatisiert zwischen verschiedenen Anwendungen ausgetauscht werden. Bei der Auswahl Ihrer Tools ist die Frage „Verfügt diese Software über eine gut dokumentierte, offene API?“ daher mindestens so wichtig wie die Frage nach ihren Kernfunktionen.
Um dem Chaos zu entgehen, hat sich im deutschen Mittelstand die „Leuchtturm-Strategie“ bewährt. Statt zu versuchen, alles auf einmal zu integrieren, fokussieren Sie sich auf einen kritischen, überschaubaren End-to-End-Prozess, zum Beispiel „Order-to-Cash“ (von der Bestellung bis zum Zahlungseingang). Sie wählen für diesen Prozess die besten Tools aus und sorgen für eine perfekte Integration. Der Erfolg dieses „Leuchtturm-Projekts“ ist sichtbar, messbar und schafft die nötige Akzeptanz und das Budget für weitere, schrittweise Integrationsprojekte. So wächst Ihre digitale Landschaft organisch und bleibt beherrschbar.
RPA (Robotic Process Automation): Wie Software-Roboter Ihre Buchhaltung übernehmen
Stellen Sie sich vor, ein Teil Ihrer Routinearbeit in der Verwaltung würde einfach von selbst erledigt. Das ist keine Zukunftsmusik, sondern die Realität von Robotic Process Automation (RPA). RPA bezeichnet den Einsatz von Software-Robotern („Bots“), die regelbasierte, repetitive Aufgaben auf einer Benutzeroberfläche ausführen – genau wie ein menschlicher Mitarbeiter. Diese Bots können Daten aus E-Mails extrahieren, sie in ein ERP-System eingeben, Rechnungen abgleichen oder Berichte erstellen. Sie arbeiten 24/7, machen keine Fehler und halten sich exakt an vordefinierte Prozesse.
Für traditionelle Unternehmen ist RPA ein extrem leistungsfähiges Werkzeug, um die Effizienz zu steigern, ohne bestehende IT-Systeme komplett austauschen zu müssen. Die Bots agieren auf der Oberfläche der vorhandenen Programme. Anstatt teure Schnittstellen zu programmieren, können Sie einen Bot darauf trainieren, Daten aus System A zu kopieren und in System B einzufügen. Dies ist besonders wertvoll für die Automatisierung von Prozessen in der Buchhaltung, im Personalwesen oder in der Auftragsabwicklung.

Der wahre Wert von RPA liegt jedoch nicht nur in der Kosteneinsparung. Er liegt in der Freisetzung menschlicher Potenziale. Wenn Ihre qualifizierten Mitarbeiter von stupider Dateneingabe befreit werden, haben sie mehr Zeit für das, was Ihre Kernkompetenz ausmacht: Kundenberatung, Produktentwicklung, strategische Planung. Laut einer Bitkom-Studie sehen 52% der Unternehmen die frühzeitige KI- und Automatisierungs-Adoption als klaren Wettbewerbsvorteil, aber nur 17% setzen solche Technologien bereits ein. Diese Lücke ist Ihre Chance, sich durch den gezielten Einsatz von RPA einen Vorsprung zu erarbeiten.
Warum Technologie einfach ist, aber die Änderung der Köpfe schwer
Sie können die beste Software kaufen und die perfektesten Prozesse definieren – wenn Ihre Mitarbeiter die Veränderung nicht mittragen, wird Ihre digitale Transformation scheitern. Die größte Herausforderung ist nicht die Technologie, sondern die menschliche Psychologie. Angst vor dem Unbekannten, die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz oder das Gefühl, die alten, vertrauten Arbeitsweisen zu verlieren, erzeugen Widerstand. Dieser Widerstand ist keine böse Absicht, sondern eine natürliche menschliche Reaktion. Ihre Aufgabe als Führungskraft ist es, diese Ängste ernst zu nehmen und den Wandel als gemeinsame Chance zu gestalten.
Transparenz und Kommunikation sind der Schlüssel. Erklären Sie nicht nur das „Was“ und „Wie“, sondern vor allem das „Warum“. Welchen konkreten Vorteil bringt die neue Software für den einzelnen Mitarbeiter? Wie erleichtert sie seine tägliche Arbeit? Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat in einem Projekt betont, wie wichtig es ist, durch Workshops die Bedürfnisse der Beschäftigten zu verstehen und daraus Kompetenzen für die digitale Transformation abzuleiten. Wie es in einem Bericht zum Work4Germany Fellowship-Projekt heißt:
Im Rahmen des Fellowships konnte geklärt werden, was wir im BMAS unter digitaler Transformation verstehen. Durch Persona-Workshops haben wir die Bedürfnisse der Beschäftigten abgebildet und zentrale Kernkompetenzen für die digitale Transformation abgeleitet.
– Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Work4Germany Fellowship-Projekt
Eine äußerst wirksame Methode, um Brücken zwischen den Generationen und Kompetenzleveln zu bauen, ist das „Reverse Mentoring“. Hierbei schulen jüngere, digital affine Mitarbeiter (z.B. Auszubildende) erfahrene, ältere Kollegen im Umgang mit neuen Tools. Dies fördert nicht nur den Wissenstransfer, sondern schafft auch gegenseitige Wertschätzung: Die Erfahrung der Älteren wird mit dem digitalen Know-how der Jüngeren kombiniert. Starten Sie kleine Pilotprojekte und kommunizieren Sie die Erfolge im gesamten Unternehmen. So wird aus Angst schrittweise Neugier und schließlich aktive Mitgestaltung.
Das Wichtigste in Kürze
- Prozesse vor Tools: Analysieren und optimieren Sie Ihre analogen Abläufe, bevor Sie eine Softwarelösung implementieren. Digitalisieren Sie keine Ineffizienz.
- Kernkompetenz verstärken: Wählen Sie gezielt Technologien, die Ihre einzigartigen Stärken unterstützen und skalierbar machen, anstatt sie durch starre Standardsysteme zu ersetzen.
- Mensch im Mittelpunkt: Die digitale Transformation ist ein Kulturwandel. Nehmen Sie die Ängste Ihrer Mitarbeiter ernst und gestalten Sie den Übergang durch Kommunikation und partizipative Formate wie Reverse Mentoring.
Cloud oder On-Premise: Was ist für deutsche Mittelständler sicherer und günstiger?
Die letzte große strategische Frage betrifft das Fundament Ihrer digitalen Infrastruktur: Sollen Ihre Daten und Anwendungen in der Cloud laufen oder auf eigenen Servern in Ihrem Unternehmen („On-Premise“)? Für viele deutsche Mittelständler ist dies eine zentrale Sicherheits- und Kostenfrage. Die Cloud lockt mit Flexibilität, Skalierbarkeit und geringeren Anfangsinvestitionen. Demgegenüber steht die Sorge vor Datenverlust, Abhängigkeit von US-Anbietern (Stichwort: CLOUD Act) und die Frage nach der Einhaltung der DSGVO.
Die pauschale Antwort „alles in die Cloud“ ist für die meisten traditionellen Unternehmen falsch. Der sicherste und oft auch kostengünstigste Weg ist ein Hybrid-Modell. Dabei behalten Sie Ihre kronjuwelen – also geschäftskritische Daten, Konstruktionspläne und das Know-how Ihrer Kernkompetenz – auf eigenen, sicheren Servern im Haus (On-Premise). Sie behalten die volle Kontrolle und Datenhoheit. Standardanwendungen wie E-Mail, Office-Programme oder CRM-Systeme, die weniger kritisch sind, können Sie hingegen sicher in eine Public Cloud auslagern. Hierbei sollten Sie auf deutsche oder europäische Anbieter wie IONOS, Hetzner oder Gaia-X-konforme Lösungen setzen, die DSGVO-Konformität und Unabhängigkeit von außereuropäischen Gesetzen garantieren.
Die Dringlichkeit, eine klare Digitalstrategie zu entwickeln, wird auch von der Wirtschaftsspitze betont. Dr. Ralf Wintergerst, Präsident des Digitalverbands Bitkom, fordert einen Kurswechsel in der Digitalpolitik und stellt fest:
Wir brauchen einen grundsätzlichen Kurswechsel bei der Digitalpolitik. Die Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt, sehen die Bedeutung der Digitalisierung und wollen mehr investieren – trotz schwieriger Konjunktur.
– Dr. Ralf Wintergerst, Bitkom-Präsident zur Digitalisierung 2025
Ihre Aufgabe ist es, diese Investitionsbereitschaft in die richtige, zu Ihrem Unternehmen passende Infrastruktur zu lenken. Eine hybride Strategie bietet Ihnen das Beste aus beiden Welten: die Sicherheit und Kontrolle von On-Premise für Ihre Kernkompetenz und die Flexibilität und Kosteneffizienz der Cloud für Ihre Standardprozesse.
Der erste Schritt ist nicht der Kauf einer Software, sondern die ehrliche Analyse eines einzigen, schmerzhaften Prozesses in Ihrem Unternehmen. Beginnen Sie noch heute damit.
Häufige Fragen zur Digitalisierung von Geschäftsmodellen
Welche Daten gehören On-Premise?
Geschäftskritische Daten und das Know-how Ihrer Kernkompetenz sollten auf eigenen Servern bleiben. Dazu gehören beispielsweise Konstruktionspläne, Rezepturen, sensible Kundendaten oder strategische Finanzinformationen. Hier ist die maximale Kontrolle entscheidend.
Was kann in die Cloud?
Standardanwendungen wie E-Mail-Programme, Office-Suiten, Kollaborationstools oder auch gängige CRM- und HR-Systeme eignen sich hervorragend für die Auslagerung in eine sichere deutsche oder europäische Public Cloud. Der Vorteil liegt in der Wartungsfreiheit und Skalierbarkeit.
Welche Anbieter sind DSGVO-konform?
Um die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und die Unabhängigkeit vom US CLOUD Act zu gewährleisten, sollten Sie auf Anbieter setzen, die ihre Rechenzentren in Deutschland oder der EU betreiben. Dazu gehören deutsche Anbieter wie IONOS oder Hetzner sowie Anbieter, die sich dem europäischen Cloud-Projekt Gaia-X angeschlossen haben.