
Die meisten Analysten glauben, das EBIT sei ein ehrliches Maß für die operative Leistung. In Wahrheit ist es oft eine manipulierte Kennzahl, die die wahre Ertragslage verschleiert.
- Sondereffekte sind keine Ausnahme, sondern oft ein strategisches Werkzeug, um Bilanzen zu schönen und die operative Wahrheit zu verzerren.
- Umsatzwachstum kann eine gefährliche Margen-Illusion kaschieren, wenn die Kostenstruktur und der Deckungsbeitrag nicht forensisch analysiert werden.
Empfehlung: Ihre Aufgabe ist es nicht, das EBIT zu berechnen, sondern es forensisch zu zerlegen und die Legitimität jeder einzelnen Bereinigung kritisch zu hinterfragen.
Als Analyst oder potenzieller Käufer eines Unternehmens stehen Sie vor einer entscheidenden Aufgabe: die wahre Ertragslage zu durchdringen. Der Blick auf den Jahresüberschuss oder Nettogewinn ist dabei oft der erste, aber auch der trügerischste Schritt. Er ist von Finanzierungsentscheidungen und der nationalen Steuergesetzgebung beeinflusst – Faktoren, die wenig über die eigentliche Leistungsfähigkeit des Kerngeschäfts aussagen. Aus diesem Grund hat sich in der professionellen Analyse das EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) als zentraler Indikator etabliert. Es verspricht, die operative Performance eines Unternehmens unverfälscht darzustellen.
Doch hier beginnt die eigentliche Arbeit eines skeptischen Prüfers. Die Annahme, das EBIT sei eine objektive und saubere Kennzahl, ist ein gefährlicher Trugschluss. Die ausgewiesene Zahl ist häufig das Ergebnis gezielter „Bereinigungen“ um sogenannte außerordentliche Effekte. Diese Sondereffekte sind das Spielfeld für Bilanzkosmetik. Restrukturierungsaufwendungen, Veräußerungsgewinne oder Wertberichtigungen können das Bild der operativen Gesundheit massiv verzerren. Sie werden als einmalig deklariert, tauchen aber in manchen Unternehmen mit erstaunlicher Regelmäßigkeit auf.
Wenn Sie also die wirkliche Gesundheit eines Geschäftsmodells beurteilen wollen, dürfen Sie das EBIT nicht als Endergebnis akzeptieren. Betrachten Sie es als Ausgangspunkt einer forensischen Untersuchung. Ihre Aufgabe ist es, die Bereinigungen zu sezieren, ihre Notwendigkeit zu hinterfragen und die operative Wahrheit von den buchhalterischen Verschleierungen zu trennen. Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden Prüfschritte, um hinter die Fassade des ausgewiesenen Gewinns zu blicken und fundierte Entscheidungen zu treffen.
In den folgenden Abschnitten zerlegen wir die Analyse der Ertragslage in ihre kritischen Bestandteile. Sie lernen, wie Sie die wichtigsten Kennzahlen nicht nur berechnen, sondern wie ein Wirtschaftsprüfer interpretieren, um die Spreu vom Weizen zu trennen.
Inhaltsverzeichnis: Die wahre Ertragslage eines Unternehmens analysieren
- Warum das EBIT für den operativen Vergleich wichtiger ist als der Nettogewinn
- Wie viele Einheiten müssen Sie verkaufen, bevor das neue Produkt Gewinn abwirft?
- Fixkostenflexibilisierung: Wie Sie Ihre Kostenstruktur atmen lassen
- Wenn der Umsatz steigt, aber die Marge fällt: Alarmzeichen richtig deuten
- Welche Kunden Sie kündigen sollten, weil sie keinen Deckungsbeitrag liefern
- Wie Sie herausfinden, welche Abteilung Geld verbrennt und welche verdient
- Warum Sie pro verkauftem Stück Geld verlieren, ohne es zu merken
- Wie nutzen Sie Ihre BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung), um Fehlentwicklungen sofort zu sehen?
Warum das EBIT für den operativen Vergleich wichtiger ist als der Nettogewinn
Der Nettogewinn, oder Jahresüberschuss nach HGB, ist das, was am Ende unter dem Strich übrig bleibt. Doch dieser Wert ist für einen echten Vergleich der operativen Leistungsfähigkeit von Unternehmen ungeeignet. Warum? Weil er von zwei wesentlichen Faktoren beeinflusst wird, die nichts mit dem eigentlichen Kerngeschäft zu tun haben: der Finanzierungsstruktur (Zinsaufwand) und der Steuersituation. Ein Unternehmen, das stark fremdfinanziert ist, hat einen höheren Zinsaufwand. Ein anderes Unternehmen in einem Land mit niedrigeren Steuersätzen zahlt weniger Steuern. Beide Effekte verzerren den direkten Vergleich ihrer Geschäftsmodelle.
Hier setzt das EBIT als überlegene Analysekennzahl an. Indem es Zinsen und Steuern ausklammert, legt es den Fokus rein auf die Ertragskraft aus der betrieblichen Tätigkeit. Es beantwortet die Frage: Wie profitabel ist das Unternehmen, bevor es seine Kapitalgeber bedient und der Staat seinen Anteil fordert? Das macht das EBIT zur universellen Sprache für den internationalen Vergleich von Unternehmen. Dennoch ist Vorsicht geboten. Selbst innerhalb Deutschlands können die Ergebnisse trügerisch sein. Eine Analyse zeigt, dass die operativen Ergebnisse der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland im Mittel um 8,6 Prozent stiegen, was auf den ersten Blick stark wirkt, aber im internationalen Vergleich hinterherhinkt.
Die wahre Kunst der Analyse liegt darin, das ausgewiesene EBIT nicht blind zu akzeptieren, sondern es als Startpunkt für eine tiefere Untersuchung zu sehen. Die visuelle Darstellung unten symbolisiert diesen Prozess: Aus dem rohen Umsatz werden Schicht für Schicht die Kosten gefiltert, bis die operative Wahrheit zum Vorschein kommt. Doch jede dieser Filterschichten kann manipuliert sein.

Die entscheidende Frage ist also nicht nur, was das EBIT ist, sondern wie es zustande kam. Welche außerordentlichen Effekte wurden herausgerechnet? Sind diese Bereinigungen legitim oder dienen sie der Schönung? Erst die Beantwortung dieser Fragen erlaubt eine fundierte Aussage über die tatsächliche, nachhaltige Ertragskraft eines Geschäfts.
Ihr Plan zur validen EBIT-Ermittlung nach HGB
- Verfahren wählen: Entscheiden Sie zwischen dem Gesamtkostenverfahren (GKV), das im deutschen Sprachraum üblich ist, und dem Umsatzkostenverfahren (UKV), das international und bei Börsennotierung dominiert.
- Aufwände und Erträge gegenüberstellen: Beim GKV stellen Sie alle Aufwendungen (Material, Personal etc.) den gesamten Erträgen der Periode, inklusive Bestandsveränderungen, gegenüber.
- Jahresüberschuss bereinigen: Nehmen Sie den Jahresüberschuss und addieren Sie das Finanzergebnis (Zinserträge/-aufwendungen) und die Ertragssteuern zurück, um zum EBIT zu gelangen.
- EBIT-Marge prüfen: Setzen Sie das EBIT ins Verhältnis zum Umsatz. Eine Marge unter 3 % gilt als kritisch, während Werte über 15 % auf eine sehr hohe Ertragskraft hindeuten.
- Branchenvergleich durchführen: Vergleichen Sie das bereinigte EBIT und die Marge mit relevanten Branchen-Benchmarks, um die relative Stärke des Unternehmens einzuordnen.
Wie viele Einheiten müssen Sie verkaufen, bevor das neue Produkt Gewinn abwirft?
Die Einführung eines neuen Produkts ist stets mit einem unternehmerischen Risiko verbunden. Die entscheidende Frage für jeden Analysten lautet: Ab wann trägt sich die Investition? Die Antwort liefert der Break-Even-Point – der Punkt, an dem die Erlöse exakt die gesamten Kosten (fixe und variable) decken. Jede darüber hinaus verkaufte Einheit generiert einen operativen Gewinn. Die Berechnung dieses Punktes ist keine rein akademische Übung, sondern ein unverzichtbares Instrument der strategischen Planung und Risikobewertung.
Um den Break-Even-Point zu ermitteln, benötigen Sie drei Kernvariablen: den Verkaufspreis pro Stück, die variablen Kosten pro Stück (Material, Fertigungslöhne) und die gesamten Fixkosten des Projekts oder des Unternehmens (Mieten, Gehälter, Abschreibungen). Die Differenz aus Verkaufspreis und variablen Kosten ergibt den Deckungsbeitrag pro Stück. Teilt man die gesamten Fixkosten durch diesen Deckungsbeitrag, erhält man die exakte Stückzahl, die verkauft werden muss, um die Gewinnschwelle zu erreichen.
Diese Analyse wird noch aussagekräftiger, wenn man sie mit der EBIT-Marge verknüpft. Sie gibt an, wie viel Prozent vom Umsatz als operativer Gewinn vor Zinsen und Steuern verbleiben. Laut einer gängigen Faustregel gelten Unternehmen mit einer EBIT-Marge von weniger als drei Prozent als nicht sehr rentabel oder sogar krisenanfällig. Ein neues Produkt sollte also nicht nur seinen eigenen Break-Even-Point erreichen, sondern auch eine Marge erzielen, die deutlich über dieser kritischen Schwelle liegt, um die Gesamtrentabilität des Unternehmens nachhaltig zu stärken.
Die folgende Tabelle klassifiziert die Ertragskraft eines Unternehmens basierend auf seiner EBIT-Marge und dient als Richtschnur für die Bewertung der operativen Gesundheit.
| EBIT-Marge | Bewertung | Unternehmenscharakteristik |
|---|---|---|
| < 3% | Unrentabel | Krisenanfällig, hohes Risiko |
| 3-8% | Durchschnittlich | Stabile operative Tätigkeit |
| 8-15% | Gut | Solide Ertragskraft |
| > 15% | Sehr gut | Sehr hohe Ertragskraft, oft oligopolistische Position |
Ein Produkt, das nach Erreichen des Break-Even nur eine Marge im unteren einstelligen Bereich erzielt, mag zwar keinen Verlust machen, ist aber strategisch fragwürdig. Es bindet Ressourcen, die in profitableren Projekten möglicherweise besser investiert wären. Die Break-Even-Analyse ist somit ein forensisches Werkzeug, um die wahre Profitabilität von Anfang an zu prüfen.
Fixkostenflexibilisierung: Wie Sie Ihre Kostenstruktur atmen lassen
Eine starre Kostenstruktur ist wie ein Anker, der ein Schiff bei stürmischer See auf den Grund zieht. Hohe Fixkosten – Mieten für überdimensionierte Büros, langfristige Leasingverträge für Maschinen, hohe Grundgehälter – belasten die Profitabilität, insbesondere bei Umsatzschwankungen. Die Fähigkeit eines Unternehmens, seine Kostenstruktur an die Auftragslage anzupassen, also die Fixkosten zu „flexibilisieren“, ist ein entscheidendes Merkmal operativer Exzellenz. Als Analyst müssen Sie prüfen, wie stark ein Unternehmen dieser strukturellen Steifheit unterliegt.
Ein erster Hinweis auf die Bedeutung der Fixkosten findet sich im Vergleich von EBIT und EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation, and Amortization). Das EBITDA klammert zusätzlich zum EBIT noch die Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände aus. Abschreibungen sind zwar keine zahlungswirksamen Aufwendungen, repräsentieren aber gebundene Fixkosten aus der Vergangenheit. Ein Unternehmen mit einem hohen Anteil an Abschreibungen hat in der Regel eine kapitalintensive und damit oft starre Kostenstruktur. Wie StrategyInvest treffend bemerkt, kann das EBITDA hier eine Brücke zur Liquidität schlagen:
Das EBITDA ist oft dem operativen Cash Flow recht ähnlich, da Abschreibungen auch beim Cash Flow ausgeklammert werden.
– StrategyInvest, Gewinnarten im Vergleich: EBITDA, operatives Ergebnis und Nettoergebnis
Eine hohe Differenz zwischen EBITDA und EBIT deutet auf einen hohen Abschreibungsbedarf und damit auf eine hohe Kapitalbindung hin. Dies ist nicht per se schlecht, aber es ist ein Risiko. Die Flexibilisierung dieser Kosten kann durch verschiedene strategische Maßnahmen erfolgen: Umstellung von Kauf auf Leasing (Pay-per-Use-Modelle), Auslagerung von Nicht-Kernprozessen (Outsourcing), Nutzung von flexiblen Arbeitsmodellen statt starrer Vollzeitverträge oder die Investition in skalierbare Cloud-Infrastruktur statt eigener Serverfarmen. Ihre Aufgabe als Prüfer ist es, zu erkennen, ob das Management diese Hebel nutzt oder ob das Unternehmen in seiner Kostenstruktur gefangen ist.
Wenn der Umsatz steigt, aber die Marge fällt: Alarmzeichen richtig deuten
Ein steigender Umsatz wird oft als das ultimative Zeichen für unternehmerischen Erfolg gefeiert. Doch für einen scharfsinnigen Analysten ist dies nur die halbe Wahrheit. Ein Wachstum, das mit einem überproportionalen Anstieg der Kosten erkauft wird, führt zu einer schrumpfenden Marge und ist ein ernstzunehmendes Alarmsignal. Dieses Phänomen, die Margen-Illusion, kann auf verschiedene Probleme hindeuten: aggressive Rabattaktionen zur Markterschließung, steigende Material- oder Produktionskosten, die nicht an den Kunden weitergegeben werden, oder eine ineffiziente Skalierung der Betriebsabläufe.
Die EBIT-Marge ist das präziseste Instrument, um diese Fehlentwicklung aufzudecken. Während der absolute Umsatz steigt, zeigt die prozentuale Marge (EBIT / Umsatz) den wahren Trend der Profitabilität. Fällt sie, verbrennt das Unternehmen mit jeder zusätzlich verkauften Einheit einen Teil seines potenziellen Gewinns. Ein Blick auf die deutsche Unternehmenslandschaft zeigt, dass profitables Wachstum möglich ist. So stieg die durchschnittliche EBIT-Marge der 100 umsatzstärksten börsennotierten deutschen Konzerne von 7,7 auf 8,7 Prozent, während der Umsatz ebenfalls zunahm. Dies belegt, dass Effizienzsteigerungen ein überproportionales Gewinnwachstum ermöglichen können.
Ihre Aufgabe als Prüfer ist es, die Gründe für den Margenverfall zu finden. Liegt es an den Herstellungskosten (Cost of Goods Sold)? Steigen die Vertriebs- und Verwaltungskosten (SG&A) schneller als der Umsatz? Oder wird der Umsatz durch unrentable Kundensegmente „erkauft“? Die Analyse der GuV nach dem Umsatzkostenverfahren (UKV) ist hier besonders aufschlussreich, da sie die Kosten direkt den umsatzgenerierenden Aktivitäten zuordnet.

Die visuelle Darstellung oben symbolisiert die komplexen Schichten der Margenanalyse. Positive (grüne) und negative (rote) Ströme überlagern sich und zeigen, dass die Gesamtentwicklung nicht immer dem oberflächlichen Eindruck entspricht. Ein fallender Margentrend ist ein klares Indiz dafür, dass das Geschäftsmodell nicht nachhaltig skaliert und operative Probleme durch das reine Umsatzwachstum kaschiert werden.
Welche Kunden Sie kündigen sollten, weil sie keinen Deckungsbeitrag liefern
Nicht jeder Kunde ist ein guter Kunde. Diese Binsenweisheit wird im operativen Geschäft oft ignoriert, solange der Gesamtumsatz stimmt. Doch ein forensischer Blick auf die Profitabilität offenbart schnell, dass bestimmte Kunden oder Kundensegmente mehr Kosten verursachen, als sie an Deckungsbeitrag einbringen. Sie sind operative Verlustbringer, die die Gesamtrentabilität des Unternehmens nach unten ziehen. Die Identifikation und – im Extremfall – die Trennung von diesen Kunden ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von strategischer Klugheit.
Die Analyse beginnt mit einer kundenspezifischen Deckungsbeitragsrechnung. Hierfür werden den Umsätzen eines Kunden nicht nur die direkten Produktkosten, sondern auch alle weiteren durch ihn verursachten variablen Kosten zugeordnet: hohe Betreuungsaufwände, Sonderwünsche in der Logistik, überdurchschnittliche Reklamationsquoten oder lange Zahlungsziele, die das Working Capital belasten. Das Ergebnis ist oft ernüchternd: Manche Großkunden mit beeindruckenden Umsätzen entpuppen sich als Margenfresser.
Das EBIT dient hier als übergeordneter Maßstab. Wenn ein gesamtes Unternehmen bei EBIT-Margen von weniger als 3 % hohe Rentabilitätsrisiken aufweist, wie kritisch ist dann erst ein einzelner Kunde, dessen spezifische Marge diesen Wert unterschreitet oder sogar negativ ist? Die Priorisierung sollte klar sein: Ressourcen müssen auf die profitabelsten Kunden konzentriert werden. Für unrentable Kunden gibt es eine klare Handlungssequenz:
- Analyse: Den negativen Deckungsbeitrag exakt beziffern.
- Nachverhandlung: Preise erhöhen, Servicelevel anpassen oder Zahlungsbedingungen straffen.
- Ultima Ratio: Wenn keine Verbesserung möglich ist, die Geschäftsbeziehung kontrolliert beenden.
Dieser Schritt setzt Kapazitäten frei, die für die Akquise und Betreuung von profitablen A-Kunden genutzt werden können. Ein Unternehmen, das es wagt, Umsatz zugunsten von Marge aufzugeben, beweist ein tiefes Verständnis seiner eigenen Ertragslage und handelt langfristig wertsteigernd.
Wie Sie herausfinden, welche Abteilung Geld verbrennt und welche verdient
In größeren Unternehmen ist die Gesamt-EBIT-Marge oft nur ein Durchschnittswert, der die wahren Leistungsunterschiede zwischen einzelnen Abteilungen, Geschäftsbereichen oder Profit-Centern verschleiert. Während eine Abteilung hochprofitabel arbeitet, kann eine andere unbemerkt Geld verbrennen und die Gesamtperformance nach unten ziehen. Als Analyst ist es Ihre Aufgabe, diese internen Subventionen aufzudecken und Transparenz über die tatsächliche Wertschöpfung jeder einzelnen Einheit zu schaffen.
Der Schlüssel hierzu ist die Implementierung einer internen Segmentberichterstattung auf EBIT-Basis. Jeder Abteilung werden dabei nicht nur ihre direkten Kosten, sondern auch anteilige Gemeinkosten zugerechnet (z. B. Miete, zentrale Verwaltung). Das Ergebnis ist ein separates EBIT für jeden Bereich. Diese Kennzahl macht die operative Leistung der Abteilungen vergleichbar und entlarvt ineffiziente Strukturen. Die Wahl der Berechnungsmethode ist dabei entscheidend, wie die folgende Übersicht zeigt.
Die unterschiedlichen Berechnungsmethoden des EBIT ermöglichen eine differenzierte Betrachtung je nach Rechnungslegungsstandard und Analyseziel.
| Verfahren | Typische Anwendung | Besonderheit |
|---|---|---|
| Gesamtkostenverfahren (GKV) | Deutscher HGB-Abschluss | Gesamtaufwand der Periode inkl. Lagerveränderungen |
| Umsatzkostenverfahren (UKV) | IFRS, US-GAAP | Periodengerechtes Matching-Prinzip |
| Bereinigtes EBIT | Abteilungsvergleiche | Um einmalige/nicht-operative Effekte bereinigt |
Eine besondere Herausforderung stellt der Vergleich von Abteilungen mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen dar. Wie eine Analyse der Euroconsil aufzeigt, kann eine Abteilung mit hohem Anlagevermögen (und hohen Abschreibungen) ein niedrigeres EBIT aufweisen als eine Abteilung, die ihre Anlagen nur least, obwohl erstere vielleicht langfristig wertstabiler ist. Diese Unterschiede in der Kapitalstruktur müssen bei der Interpretation der reinen EBIT-Zahlen zwingend berücksichtigt werden, um nicht die falschen strategischen Schlüsse zu ziehen. Das bereinigte EBIT ist hier oft der fairste Maßstab, da es solche strukturellen Unterschiede und Sondereffekte neutralisiert.
Warum Sie pro verkauftem Stück Geld verlieren, ohne es zu merken
Das wohl gefährlichste Szenario für jedes Unternehmen ist, wenn es mit jedem verkauften Produkt oder jeder erbrachten Dienstleistung unbemerkt Geld verliert. Dies geschieht, wenn der erzielte Preis die gesamten Stückkosten (variable Kosten plus anteilige Fixkosten) nicht deckt. Auf den ersten Blick mag der Umsatz steigen und die Liquidität stimmen, doch die Substanz des Unternehmens wird schleichend ausgehöhlt. Dieses Problem tritt häufig auf, wenn die Kalkulation fehlerhaft ist oder wenn die Fixkosten bei der Preisgestaltung nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Eine oberflächliche Analyse kann hier in die Irre führen. Insbesondere die Kennzahl EBITDA, die oft als Maß für die operative Leistung herangezogen wird, kann die Realität gefährlich verfälschen. Sie ignoriert die Abschreibungen und damit die Kosten für den Verschleiß und die notwendige Erneuerung des Maschinenparks. Ein Unternehmen kann ein positives EBITDA ausweisen und dennoch operativ Geld verbrennen, weil es die Reinvestitionen, die für die Aufrechterhaltung des Betriebs notwendig sind, nicht erwirtschaftet. Eine treffende Warnung hierzu liefert buchhaltung-einfach-sicher.de:
Das EBITDA … gewährt einen genauen Blick auf den Ertrag der Firmenaktivitäten, verfälscht gleichzeitig aber die Auskunft über den tatsächlichen Gewinn. Abschreibungen und Investitionen sind fester Bestandteil eines wachsenden Unternehmens und haben faktisch einen Einfluss auf den Unternehmensgewinn. Diese Einflüsse in der Bewertung auszuschließen, lässt realistische Aussagen über die Stabilität eines Unternehmens nicht zu.
– Buchhaltung-einfach-sicher.de, EBIT und EBITDA einfach erklärt
Um die operative Wahrheit auf Produktebene aufzudecken, ist eine präzise Stückkostenkalkulation unerlässlich. Das EBIT, das die Abschreibungen berücksichtigt, ist hier eine ehrlichere Kennzahl als das EBITDA. Berechnen Sie das EBIT pro Produkteinheit, indem Sie alle relevanten Kosten auf das einzelne Stück herunterbrechen. Produkte mit einer EBIT-Marge unter der kritischen Schwelle von 3 % oder sogar einer negativen Marge sind sofortige Kandidaten für eine Preisanpassung, eine Kostenreduktion oder eine ersatzlose Streichung aus dem Portfolio. Alles andere ist eine bewusste Zerstörung von Unternehmenswert.
Das Wichtigste in Kürze
- Das EBIT ist dem Nettogewinn überlegen, um die operative Wahrheit zu finden, aber es ist anfällig für Manipulation durch „Bereinigungen“.
- Eine EBIT-Marge unter 3 % ist ein klares Alarmsignal; unrentable Kunden und Produkte müssen über eine Deckungsbeitragsrechnung identifiziert werden.
- Eine kritische Analyse der BWA und die Trennung von einmaligen Sondereffekten und dem Kerngeschäft sind unerlässlich, um Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen.
Wie nutzen Sie Ihre BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung), um Fehlentwicklungen sofort zu sehen?
Die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) ist für viele deutsche Unternehmen das zentrale monatliche Steuerungsinstrument. Sie liefert einen schnellen Überblick über die Ertrags- und Kostensituation, lange bevor der offizielle Jahresabschluss erstellt wird. Doch viele Unternehmer nutzen sie nur oberflächlich und übersehen die entscheidenden Signale, die in den Zahlen verborgen sind. Für einen analytischen Blick ist die BWA eine Goldgrube, um die operative Gesundheit quasi in Echtzeit zu überwachen – wenn man weiß, wonach man suchen muss.
Das EBIT ist in der Standard-BWA oft nicht explizit ausgewiesen, lässt sich aber mit wenigen Handgriffen aus dem ausgewiesenen „vorläufigen Ergebnis“ ableiten. Wie eine Analyse von Welt der BWL hervorhebt, ist das EBIT die entscheidende Ausgangsgröße für weiterführende Kennzahlen wie die EBIT-Marge oder den Zinsdeckungsgrad und dient vor allem dem internationalen Vergleich. Indem Sie das EBIT monatlich in Ihrer BWA verfolgen, schaffen Sie eine konsistente und vergleichbare Datenbasis zur Steuerung der operativen Profitabilität.
Der eigentliche Wert der BWA-Analyse liegt im Zeitreihenvergleich und in der Früherkennung von Trends. Ein einmaliger Blick auf die BWA ist wertlos. Erst der Vergleich mit dem Vormonat, dem Vorjahresmonat und den Planzahlen deckt Abweichungen auf. Achten Sie auf folgende Warnsignale:
- Sinkende EBIT-Marge: Steigen die Kosten (z.B. Material, Personal) schneller als der Umsatz?
- Hohe „sonstige betriebliche Aufwendungen“: Verbergen sich hier Sondereffekte oder unkontrolliert wachsende Kostenblöcke?
- Stagnierender Deckungsbeitrag bei steigendem Umsatz: Ein klares Indiz für Rabattaktionen oder eine Verschiebung des Produktmix hin zu margenschwächeren Artikeln.
Die BWA ist Ihr Cockpit zur Unternehmenssteuerung. Nutzen Sie sie nicht nur als Rückspiegel, sondern als Navigationssystem. Eine proaktive, auf dem bereinigten EBIT basierende Analyse der BWA ermöglicht es Ihnen, Fehlentwicklungen sofort zu erkennen und korrigierend einzugreifen, anstatt am Jahresende von einem schlechten Ergebnis überrascht zu werden.
Beginnen Sie jetzt damit, Ihre Analysen nicht nur auf Berechnungen, sondern auf einer kritischen Prüfung aufzubauen. Fordern Sie die Zahlen heraus und hinterfragen Sie jede Bereinigung, um die wahre Substanz und die nachhaltige Ertragskraft des Geschäftsmodells zu verstehen.